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R. Hambury-Tenison: Die siebzig großen Reisen der Menscnheit

09.11.2006

Als Reisen noch Abenteuer war
Beine und Seele baumeln lassen, gemütlich von der Reling herunter über glasklares, blaues Wasser – das konnten sich die ersten Seefahrer und Weltentdecker nicht erlauben. Die waren weit entfernt von Vergnügungs- und Wellness-Reisen rund um den Globus. Ihr Ziel war das Unbekannte in den unbekannten Winkeln der Erde. Und davon gab es zu Zeiten des Altertums bis ins Mittelalter hinein reichlich viel.

 

Man kennt ja vieles von dem, was insbesondere während der Hochblüte entdeckungsreisender Seefahrer wie Vasco da Gama, Marco Polo und Christoph Kolumbus auf der Weltkugel so alles entdeckt wurde. Aber was gab es davor, wer war schon in viel früheren Zeiten unterwegs nach Amerika, zum Nordpol, nach Asien und Afrika?

Siebzig bedeutende Reisen der Menschheit beschreibt das dicke Buch, das vom "großen alten Mann" der internationalen Abenteurerei, Robin Hanbury-Tenison, herausgegeben wurde. Er war selbst aktiver Extremist in Sachen Reisen, berühmt für seine Distanzritte entlang der Chinesischen Mauer oder längs durch die Nord- und Südinsel von Neuseeland. Schon in frühester Zeit, vor einhunderttausend bis fünfzigtausend Jahren, zog es den Homo sapiens hinaus in ferne, unbekannte Gegenden. Schon die Ägypter erforschten Nil und Wüste, und nicht erst seit Hannibals Alpenüberquerung erlebte die Menschheit außergewöhnliche Fahrten und Wanderungen. Siebzig bedeutende Reisen – das bedeutet auch, wie Alexander der Große, ein kosmopolitischer Nimmersatt, sich die halbe Welt untertänig machte; wie mutige Männer einen nördlichen Seeweg zum Fernen Osten suchten und an der so genannten Nordwestpassage scheiterten; wie Charles Doughty systematisch die arabische Halbinsel erforschte; warum Mao Zedong den sogenannten Langen Marsch auf sich und die Angehörigen seiner Roten Armee nahm.

Viele Leistungen auf dem Gebiet der Entdeckung stehen zu Recht im immerwährenden Mittelpunkt des Interesses. Aber das Buch beschäftigt sich auch mit weniger bekannten, manchmal sogar unmenschlich-politischen Reisen wie der Vertreibung der Cherokee-Indianer im Jahr 1838 aus "ihrer angestammten Heimat in den südlichen Appalachen" in das eintausendsechshundertundzehn Kilometer entfernte Territorium im heutigen Oklahoma ("Der Pfad der Tränen").

Kein Winkel der Erde bleibt in den Darstellungen ausgespart, die, mit sachkundigen Kommentaren verschiedener Autoren versehen, eine lebendige, spannend zu lesende Geschichte der Erforschung der Erdkugel und darüber hinaus (erste Atlantiküberquerung mit einem Flugzeug, Mondlandung, Ballonfahrt um die Erde) liefert. Fotografien, Zeichnungen und vor allem die Karten mit den Routen veranschaulichen auf sehr farbenfrohe Weise die enormen Anstrengungen, die besonders zu den Zeiten nötig waren, als es noch kaum technische Hilfsmittel und zuverlässiges Transportgeräte gab.

Ein Buch für jung und alt, für Neugierige und Stubenhocker, für Nachahmer und Skeptiker.

Klaus Hübner



Robin Hambury-Tenison (Hg.): Die siebzig großen Reisen der Menscnheit.
Frederking & Thaler Verlag.
München. 2006. 304 Seiten.
Mit 250 Farb- und 100 s/w-Fotos.
ISBN: 3-89405-675-4.
29,90 Euro.

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