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J. Krömer und E. Sen: No Copy

30.11.2006

 
Geschichte und Ethik der Raubkopie

Der Tropen Verlag ist immer wieder für schräge Bücher zuständig: Diesmal eines über illegale Kopien im digitalen Zeitalter.

 

Das Buch der beiden Autoren Jan Krömer und Evrim Sen beginnt mit der Geschichte der Computer, der Software und des Internet. Schon sehr früh entstand eine Subkultur von Hackern mit einer ganz eigenen Hackerethik. Die ersten Hacker waren Wissenschaftler, Mathematiker und Ingenieure, die die Codes der Programme kopierten, untereinander austauschten und optimierten.

Den Code cracken

Die Softwarehersteller versuchen seitdem unaufhörlich, ihre Produkte unkopierbar zu machen. So wurden aus den Hackern Cracker: Der Kopierschutz musste geknackt werden, bevor die Daten verwendet, bearbeitet und weitergegeben werden konnten.
In der sogenannten zweiten Generation (in der Internetära) ging es dann in erster Linie um die Verbreitung. Wie das genau vor sich geht, wird von den beiden Autoren minutiös mit viel Sachkenntnis beschrieben.

Eine Welt mit einer eigenen Sprache

Das Buch wimmelt von Spezialbegriffen wie racen, flashen oder taggen, Rehacker, Deleter oder Pubstealer. Wer nicht weiß, was das heißt, sollte „No Copy – Die Welt der digitalen Raubkopie“ studieren. Denn erklärt wird alles ganz genau. Es gibt in der Szene ein eigenes Jargonlexikon mit Begriffen und Lebensweisheiten, das regelmäßig aktualisiert wird. Wörter werden von andern Subkulturen entlehnt, Buchstaben werden durch Zahlen oder durch andere Buchstaben ersetzt. Im Glossar des vorliegenden Buches werden die wichtigsten Begriffe aufgelistet und erläutert.

Ethik einer kriminalisierten Szene

Natürlich geht es bei diesem Buch auch um die Ethik der Schwarzkopie. Eine Kriminalisierung von Schwarzkopierern widerspricht dem eigenen moralischen Ansatz der Szene. Dabei werden immer wieder Widersprüche in der Argumentation der „Gegenseite“ aufgezeigt.
Erklärt wird, warum CDs, die nur auf CD-Player abgespielt werden können, nicht jedoch auf Computern, vollkommener Unsinn sind. Oder warum ein kostenloser Download im Web nicht automatisch das Ende des kommerziellen Verkaufs von Datenträgern bedeutet. Einige Beispiele sind wirklich spannend: Das Kinderlied „Schnappi, das kleine Krokodil“ gabs schon vor einigen Jahren auf einem CD-Sampler, dann wurde der Song als MP3 ins Internet gestellt. Erst als Radiostationen Schnappi entdeckten, wurde eine Single-CD gemacht, die es bis in die Charts schaffte. Und die Leute kauften brav die Single-CD.

Unzulänglichkeit des Urheberrechts

Schließlich gibt es auch ein ausführliches Kapitel über das Urheberrecht, basierend auf einer EU-Richtlinie aus dem Jahre 2001. Erst zu diesem Zeitpunkt wurde das Urheberrecht, deren Grundlagen noch aus dem 19. Jahrhundert stammen, an die Bedingungen des Informationszeitalters angepasst. Sehr zur Kritik von Konsumentenschützern und Schwarzkopierern.

Maria-Bernadette Ehrenhuber


Jan Krömer und Evrim Sen: No Copy – Die Welt der digitalen Raubkopie
Sachbuch
Tropen Verlag 2006
272 Seiten, 15,80 ¤, broschiert
ISBN 3-932170-82-2

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