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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 03:23

 

J. Becker, F. Meurer, M. Stankowski: Von wegen nix zu machen ...

29.03.2007

 
Die Aufhebung gesellschaftlicher Sprachlosigkeit

“Anschläge auf und für Zivilisten.”

 

Man stelle sich vor, eine am Wahltag gescheiterte Partei würde öffentlich, statt ihre Niederlage schön zu reden, ihre Hochglanzversprechen zerschreddern, um den Kopf frei zu bekommen und dem Scheitern den in der Erfolgsgesellschaft immanent miesen Beigeschmack zu nehmen. Oder alle Parkbänke stünden sich immer paarweise gegenüber, so dass es mit der entspannenden Ignoranz des Mitmenschen ein Ende hätte. Vielleicht ändert “die Show des Scheiterns” oder der “verbale Banküberfall”, wie ihn seine Erfinder nannten, nicht von Grund auf die Kommunikationslügen- und lücken unserer Gesellschaft, doch solche Einfälle könnten winzige, oft lustige Steine in einem für die meisten Menschen zu schnell, zu schön und zu glatt laufenden Prozess sein.

Mehr als 100 solcher Anregungen des Gemeinsinns und garantiert befriedigende Ideen zu Änderung der gesellschaftlichn Sicht sind in der vorliegenden Sammlung vereint. Sonderlich subversiv und revolutionär sind nicht alle, aber befriedigend bestimmt. Zum großen Teil kommen sie direkt der Gemeinschaft zu Gute, zum Teil sorgen sie aber auch indirekt für das eigene Wohlbefinden. Viele zielen auf eine Veränderung der sozialen oder auch individuellen Wahrnehmung, z.B. durch durch ein Zeitkonto, das einem ein mehr an gefühlter Zeit für sich selbst schenkt.

Die Autoren, ein Journalist, ein Pfarrer und ein Kabarettist setzen statt auf Ausgrenzung, Verarmung und sozialem Schwund auf tätige Solidarität und praktischen Bürgersinn. Und geben die öffentlich vernachläßigten sozialen Aufträge an eine Verbesserung des Miteinanders in anderer Form weiter. Man kann es Protest nennen oder soziales Engagement, die Tips sind kreative Impulse, die Aktionswilligen eine Palette der Möglichkeiten vorgibt, zumindest lokal etwas zu verändern. Von “Bookcrossing”, dem öffentlichen Austausch von Büchern, dem “doppelten Espresso”, der zwei Leute glücklich macht, dem Verschenken von Texten an Straßenzeitungen, bis zur Schaffung eines kleinen täglichen Rituals, das einen mehr in der Nachbarschaft verankert, ist für jeden etwas dabei.
Ist die “Werkzeugkiste für Weltverbesserer”nur für Gutmenschen oder ganz Naive, die noch glauben, dass es was zu verbessern gibt? Da man an solchen zumeist ihre Humorlosigkeit vermißt, eher nicht. Vielleicht ist der Begriff des sozialen Handwerkers da treffender, der mit dem Band das Werkzeug an die Hand kriegt, ein bisschen an der sozialen Wirklichkeit zu drehen und zu schrauben. In Zeiten, in denen der allgemeine Verlust von Halt und Traditionen beklagt und mit Benimmkursen bekämpft wird, gilt es, sich auch an andere Traditionen zu erinnern. Mit diesem kleinen Leitfaden kann man sehr schnell vom Anfänger zum Fortgeschrittenen werden und eigene Kreativität wirken lassen. Von wegen nix zu machen ...

Maggie Thieme


Jürgen Becker, Franz Meurer, Martin Stankowski: Von wegen nix zu machen ...
Werkzeugkiste für Weltverbesserer
Kiwi Paperback 2007
189 Seiten, 7,95 EUR
ISBN: 978-3-462-03795-1

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