Die gute Nachricht vorneweg: Dieses Buch hat kein Vorwort von Harald Schmidt. Die schlechte Nachricht gleich hinterher: auf der Rückseite des Covers wird Barbara Schöneberger zitiert. Doch die 200 Seiten dazwischen sind mit durchaus witzigem, gut recherchiertem Infotainment zu den Themen Medizin, Sport und Ernährung gefüllt (wobei einige vermischte Glossen über Last-Minute-Urlaub, Kachelöfen oder Callcenter wohl nur deshalb aufgenommen wurden, um das sonst zu schmale Bändchen auf einen handelsüblichen Umfang aufzupeppen).
Glück ist nicht Schicksal, sondern zum großen Teil selbst gestaltet, verriet Hirschhausen der „Welt am Sonntag“. Das lässt sich mit seiner eigenen Vita mustergültig illustrieren. Obwohl der einstige Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes summa cum laude promovierte (über das durchaus ernst gemeinte Thema „Wirksamkeit einer intravenösen Immunglobulintherapie in der hyperdynamen Phase der Endotoxinämie des Schweines“), konnte er nach dem Examen keine Anstellung als Arzt finden. Doch sein Zweitstudium des Wissenschaftsjournalismus und sein Nebenjob als Zauberer wiesen ihm vollends den Weg zu seinem späteren Erfolg. Dieser Mann ist ein wahrer Tausendsassa und verknüpft geschickt all seine Begabungen und Kenntnisse als Mediziner, Solo-Kabarettist, Komiker, Motivationstrainer, Fernseh-Moderator, Kolumnist und Autor. Deswegen dürften dem aufmerksamen Medienkonsumenten fast alle Beiträge seines neuen Buches „Die Leber wächst mit ihren Aufgaben“ auch irgendwie bekannt vorkommen: entweder entstammen seine zweitverwerteten, unter neuer Überschrift umetikettierten Texte der etwas anderen Medizinkolumne des „Stern“, bisherigen Fernsehauftritten oder Kabarettnummern.
Sandwich-Technik
An Komik haben sie deswegen längst nichts eingebüßt. Mit besonderem Wortwitz und entwaffnendem Um-drei-Ecken-Denken philosophiert und sinniert Hirschhausen zum Beispiel über die Hintergründe des Schnarchens („Mit dem Gaumensegel hart am Wind“), Sinn und Unsinn regelmäßiger Bewegung („Ich bin doch nicht blade“) oder die Lächerlichkeit mancher Tattoos („Das geht auf keine Kuhhaut“). Auch wenn man es erst nicht vermuten mag: gekonnt verpackt der Mediziner zwischen seinen Witzen tatsächliche Fakten. In seinen Seminaren nennt er das übrigens die „Sandwich-Technik“: „Humor ist der leckere Belag zwischen zwei Scheiben relevantem Inhalt“.So erfahren wir unter Lachen, Kichern und Schmunzeln, weshalb Mönche länger leben als Männer jenseits der Klostermauern, dass die Abhängigkeit von Schokolade genauso (un)wahrscheinlich ist wie die von Cashewnüssen oder Bananen, dass unser Körper mehr Bakterien als Zellen beherbergt. Ob uns dieses manchmal recht abstruse Halbwissen klüger macht, sei dahin gestellt – genügend Small-Talk-Themen für die nächste Party bietet es allemal. Und wer Hirschhausens spaßiges Sammelsurium zu Ende konsumiert hat, darf sich auf ein launiges Nachwort freuen (übrigens von ihm selbst verfasst): „Wenn Sie einen roten Faden in diesem Buch gefunden haben, dürfen Sie ihn gerne behalten. Sie müssen ihn nicht einschicken und nehmen auch an keinem Gewinnspiel teil.“