Die Befreiung der Dinge
Der „Lustmarsch durchs Theoriegelände“ (Bazon Brock) als verdeckte Autobiographie – im Zeichen des Dekonstruktivismus ließe sich kaum eine bessere Form für eine kategorische Kollegenschelte finden. Der Autor ist eben doch nicht totzukriegen und deshalb sagt Beat Wyss ganz offen Ich, um dieses Ich dann vertrauensvoll seinen Lesern zu überlassen.
„Nach den großen Erzählungen“ ist hoffnungslos subjektiv und objektiv zugleich, Text und Metatext in einem – ein großer Spaß, den man besser ernst nehmen sollte. Dass ausgerechnet ein Theoriebändchen der „edition suhrkamp“ die Rückkehr zum Gegenstand, zum Sachverhalt, zum Artefakt fordert, unterstreicht diese These noch einmal augenzwinkernd:
"Es geht darum, die Gewalt zu beschreiben, welche die Diskurse den Sachverhalten zufügen, damit diesen ein Gewicht gegeben werde, das die Methode, wenn nötig, aus ihrem eingependelten Gleichgewicht bringen kann. Diskurskritik strebt nach einer Dekolonialisierung des Denkens und träumt, wie meine kleine Tochter nach einem Zoobesuch, von der Befreiung der Dinge."
Mit der Befreiung der Dinge sollten wir wohl in der Tat bald beginnen. Aber davor lohnt es sich, noch einmal kurz einen Blick ins Theoriegehölz zu werfen. Einen besseren Führer als Beat Wyss kann man sich jedenfalls kaum wünschen.