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Donnerstag, 09. Februar 2012 | 13:46

Mark Rowlands: Der Leinwandphilosoph

25.03.2010

Videoabend im Elfenbeinturm

Als Leinwandphilosoph bringt Mark Rowlands, Professor für Philosophie an der University of Miami, seinen Lesern einige zentrale Theorien der abendländischen Geistesgeschichte näher, indem er seinen Lehrstuhl gegen den Kinosessel eintauscht. Von CHRISTOPH NEUBERT

 

Im Leinwandphilosoph wird der fast schon symptomatische Bierernst der Philosophen auf ein Niveau heruntergebrochen, das einer fruchtbaren Unterhaltung am Biertisch nicht abträglich ist. Dass dabei die aufwendig hergeleiteten philosophischen Annahmen in seinem Buch bloß bruchstückhaft – und daher für einen ernstzunehmenden philosophischen Diskurs unzureichend – wiedergegeben werden, kann man dem Autor indes nicht vorwerfen, sondern liegt in der Natur von Einführungsschriften. Und von denen gibt es in den Buchhandlungen mehr als gegen den Utilitarismus gerichtete Polemik bei Nietzsche.

 

Mark Rowlands neue Veröffentlichung sticht aus dieser Masse insofern heraus, als es ihm gelingt, den Lesern über die großen Theorien von Aristoteles bis Schwarzenegger auf ausgesprochen launige Weise einen groben Überblick zu verschaffen, nämlich unter Bezugnahme auf populäre – und von der Kritik zumeist verlachte – Science-Fiction-Filme. Da er auf akademische Posen konsequent verzichtet, ist er dabei stets auf Augenhöhe mit dem Leser. Mit seiner eigenwilligen Einführungsschrift will er übrigens auch ein neues Genre begründet wissen, dass er auf den Namen Sci-Phi tauft.

 

Dem Philosoph ist nichts zu doof

Unserem Vorzeige-Kantianer Arthur Schopenhauer zufolge lassen sich wahre Genies lediglich unter Künstlern und Philosophen finden. Denn während die großen Geister der Naturwissenschaften zwar stets spektakuläre (oder zumindest als solche wahrgenommene) Neuerungen hervorbringen und -brachten, haben für seine Begriffe nur die Meisterwerke dieser Schulen das Vermögen, die Sichtweise auf die Welt bei denjenigen, die sich mit ihnen beschäftigen, tatsächlich und grundlegend zu verändern.

 

Damit sich dieser bahnbrechende Effekt bei den Rezipienten einstellt, müssen diese die entsprechenden Werke natürlich persönlich betrachten, hören, oder - im Falle einer philosophischen Schrift - studieren. In den Bereichen der Kunst und der Philosophie gibt es keine Formel, die die Essenz beinhaltet, weswegen hier die unmittelbare Anschauung vorausgesetzt wird. Aus diesem Grund kann eine Einführungsschrift in die Philosophie immer nur einen ersten und unvollständigen Überblick leisten, für die unsere großen Denker mehrere hundert Seiten füllen mussten.

 

Sofies Krieg der Welten

Rowlands Ansatz erweist sich als gute Idee (auch wenn man in diesem Rahmen gar nicht unbefangen mit diesen Begriffen arbeiten kann – ich bitte also um Nachsicht). Denn anhand von Blockbustern wie Matrix, Terminator, Frankenstein, Star Wars oder Blade Runner werden sowohl anschaulich als auch amüsant philosophische Fragestellungen erörtert und nachvollziehbar gemacht. Dabei lässt Rowlands auch eine subjektive Haltung nicht vermissen, die hier durchaus eine Bereicherung darstellt, denn sie verhindert, dass sich manche Leser von der nüchternen Sachlichkeit einiger Thesen einlullen lassen.

 

Wer von einer Einführung in die Philosophie erwartet, dass sie auch als Nachschlagewerk funktionieren muss, ist bei Der Leinwandphilosoph allerdings an der falschen Adresse. Rowlands handelt, schön der Reihe nach, Film für Film ab, wobei sich manche Kapitel in einigen Punkten auf vorangegangene Abschnitte beziehen – ein schneller Zugriff auf bestimmte Begriffe oder Sachverhalte ist hier ausgeschlossen.

 

Auch was den Umfang der behandelten Thesen betrifft, zeigt sich Der Leinwandphilosoph recht eingeschränkt. Insofern eignet sich das Buch lediglich als anschauliche und kurzweilige Ergänzung zu einer umfassenden Enzyklopädie. Wer sich jedoch nur einen einfachen und unterhaltsamen Zugang zur Philosophie erhofft, dem kann Rowlands Veröffentlichung absolut empfohlen werden – unter der Voraussetzung allerdings, dass man die Begeisterung für Science-Fiction-Filme mit dem Autor teilt.

 

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