Hormonell bedingte Kommunikationsschwierigkeiten
Die Autorin zeigt, wie sich ein Kinderhirn vom paarungssuchenden Hirn des jungen Mannes oder eines Vaters unterscheidet - und welch großen Anteil die männlichen Hormone am Mann im Manne haben. Beginnend mit dem acht Wochen alten männlichen Fötus, dessen Testosteronproduktion in den winzigen Hoden den Aufbau des Gehirns verändert. Über die Erkenntnis, dass Sex nicht immer zu Liebe führt, bei Männern aber eine unverzichtbare Voraussetzung dafür ist. Bis zum Beweis, dass das räumliche Sehen beim Mann besser ausgeprägt ist als bei der Frau: „am faszinierendsten fand ich die Beobachtung, dass das Areal für räumliche Bewegungen im männlichen Gehirn ständig eingeschaltet ist: Es arbeitet automatisch im Hintergrund. Im weiblichen Gehirn dagegen ist die betreffende Region im Schläfenlappen 'ausgeschaltet' und wartet, bis sie bei Bedarf aktiviert wird.“
Aber die grundlegende Frage nach der biologischen Determination, dem Zusammenspiel von Biologie und Sozialisation wird nur eröffnet, nicht beantwortet. Der bloße Nachweis, dass es sich bei menschlichem Verhalten um eine Mischung aus Anlage und Erziehung handelt, ist mager. Eben darin liegt das große Problem des Buchs. Es gibt nicht viel Neues zu berichten. Passenderweise umfasst das Buch zwar insgesamt 320 Seiten, der Inhalt findet jedoch schon nach 175 Seiten seinen Abschluss. Die verbleibenden Seiten sind mit Anmerkungen und einem sehr ausführlichen Literaturverzeichnis gefüllt. Darüber hinaus schießt das Buch partiell über das Ziel hinaus. Besonders beim Vergleich des Gehirns mit einer gut geschmierten Maschine, die von Testosteron-, Cortisol- und Vasopressinschüben überschwemmt wird. Diese Haltung verdeckt auf unkritische Weise, dass der Mensch trotz Hormonen und geschlechtstypisch geprägtem Hirn immer eine Wahl hat – selbst dann noch, wenn sein Hirn von Hormonen längst überschwemmt wird. Diese Freiheit, Herr über das das eigene Verhalten zu sein, wird nicht genügend gewürdigt.