In sechs Essays (jeweils auf Englisch und Deutsch) und auf zahlreichen Photos wird diese Zwischenzeit und ihre Bedeutung für die Liberalisierung der britischen Gesellschaft deutlich. Herausgeberin Astrid Proll steuert selbst ein Essay bei, in dem sie Solidarität als Gebot der (damaligen) Gegenkultur beschreibt. Derer bedarf sie als gesuchtes RAF-Mitglied auch! Sie lernte die britische Linke als im Vergleich zur deutschen deutlich pragmatischer eingestellt kennen.
Ausgangspunkt für politischen Aktivismus, Kunst und alternatives Leben waren die Squats - leerstehende und zumeist illegal besetzte Häuser. Etwa 30.000 Squatters gab es in der Innenstadt dieser damals noch ziemlich heruntergekommenen Metropole. Da man um die Miete und die dafür nötige Erwerbsarbeit herumkam, blieb Raum und Zeit sich in gegenkulturellen Bereichen auszutoben und in emanzipatorischen Bürgerbewegungen zu organisieren. So wurden die Siebzigerjahre hier eigentlich zu den wahren Sechzigern. Man kämpfte für die Rechte von Homosexuellen, Frauen und ethnischen Minderheiten. Schwarze sollten nicht länger unter Generalverdacht der Obrigkeiten stehen und asiatische Einwanderer nicht länger als Billigstlohnarbeiter missbraucht werden. Neben Hausbesetzung, Streik und Gründung alternativer Medien gab es auch jede Menge Raum für radikale Kunstexperimente.