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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 11:00

V/A: Texas Bohemia Revisited CD/DVD

13.10.2011

The Texas-Bohemian-Moravian-German Bands

Anders als das Cajun Country Lousianas sind die deutschen und böhmischen Enklaven in Texas auch bei uns eher unbekannt. Thomas Meinecke hat sich bereits vor 20 Jahren in diese Gegend, die Menschen und den akkordeonbetrieben Polka- und Walzersound der Nachfahren europäischer Einwanderer verliebt. Von TOM ASAM.

 

Nicht schlecht staunte Thomas Meinecke, als er 1992 – im Zuge einer kleinen Tour mit seiner Band FSK – im Hinterzimmer einer Tankstelle in einem texanischen Kaff  auf ältere Einheimische traf, die Deutsch miteinander sprachen. Dies war der Ausgangspunkt zu seinen Streifzügen durch die Gegend entlang des Highways 10 zwischen Houston und San Antonio. Er entdeckte immer mehr Nachfahren deutscher und tschechischer Auswanderer und deren Liebe zu  Polka und Walzer. Er stellte in der Folge die zwei CDs, Texas Bohemia und Slow Music, zusammen und verarbeitete seine Eindrücke in einem Roman, in Hörspielen und Reportagen. 2007 kehrte er mit Peter Schubert, Schüler von Alexander Kluge (mit dem Meinecke auch schon zum Thema drehte) zurück in die Gegend. Ergebnis sind  die musikalische Fortsetzung von Texas Bohemia sowie der Doku-Film Krasna Amerika (beautiful America).

 

Freie Liebe und Komantschen

Meinecke und Schubert sprechen mit Nachfahren jener Menschen, die vermehrt in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts organisiert aus Deutschland in die Prärie zogen. Interessant ist, dass im Zuge der gescheiterten badischen Revolution 1948 durchaus schöngeistige Intellektuelle ins texanische Hinterland einwanderten. Es gab lateinisch sprechende Kommunen, die sozialistische Ansätze und freie Liebe propagierten. Ebenso spannend: unter der Leitung von Baron Ottfried Hans von Meusebach schloss die deutsche Enklave 1847 einen Friedensvertrag mit den Komantschen. Einige Deutsche kämpften gar für Mexiko gegen Texas – und wurden somit im Nachhinein zu Vorbildern des Kampfes für ein Amerika der Gleichberechtigung. Neben solchen politischen Aspekten sind die Einblicke in das gemächliche Alltagsleben der friedlich miteinander lebenden deutschen und bömisch-mährischen Amerikaner natürlich zentral. Das Wort Bohemia bedeutet im Amerikanischen gleichzeitig »böhmisch« wie »Boheme« und ist somit eine treffende Bezeichnung für diesen Landstrich.

 

Bohemians and Czechaholicz

Sowohl im Film als auf der CD sind natürlich die Polka- und Walzerbands das wichtigste. Sie halten bei regelmäßigen Tanzveranstaltungen und Bierfesten die Tradition und das gesellschaftliche Leben in Gang. In den Erörterungen der Bewohner erfährt man, dass das Texas German wohl am Aussterben ist. Es fehlt an jüngeren Menschen, die noch Deutsch sprechen. Das sollte man als gelungene Integration werten und nicht zu traurig sein. Was bleiben wird, ist der europäische „Two-Step“ Polka – und der Walzer. Schon der texanische Western-Swing der 30er Jahre fußt auf zentraleuropäischen Einflüssen – und vom Honky Tonk bis zur Texmex-Musik entlang der US/Mexikanischen Grenze sind diese Wurzeln nachzuvollziehen. Die von der Spoetzl-Brauerei (die das bayrische Reinheitsgebot bis heute befolgt) gesponserte Shiner Hobo Band, die Red Ravens & Czechaholics und viele andere nehmen uns mit ihren soulfullen Volksmusik-Bastardisierungen mit auf diverse Feste und in verbliebene Tanzhallen und unterhalten uns vortrefflich. Prost!

 



 

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