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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 11:03

Noel Gallagher: Noel Gallagher`s High Flying Birds

20.10.2011

Die breiten Schultern eines Giganten

Als Oasis sich vor zwei Jahren auflösten, gab nur eins Hoffnung: Die Überzeugung, dass Noel endlich dazu kommen würde, ein Soloalbum aufzunehmen und dass eben dieses großartig sein würde. Jetzt ist es erschienen und es nicht großartig. Es ist besser. Von MARTIN SPIESS.

 

Wenn man sich die Rezensionen zu Noel Gallagher’s High Flying Bird anschaut, kommt es einem so vor, als hätten die Autoren voneinander abgeschrieben. Denn alle ziehen (What’s The Story) Morning Glory heran: »Das Beste seit …«, schrieb der Rolling Stone, »so inspiriert wie …«, schrieb GQ und The Telegraph fand ebenfalls, es sei »the best since …«

 

Klar: Es hätte mit dem sprichwörtlichen Teufel zugehen müssen, wenn Noel Gallagher’s erstes Soloalbum nach dem Ende von Oasis den Erwartungen an ihn nicht gerecht geworden wäre. Noel Gallagher’s High Flying Bird aber hat sie nicht nur übertroffen, es ist wahrscheinlich das Beste, was Noel je geschrieben hat.

 

Wie kein anderer volle Batterien

Mit treibendem Schlagzeug, Chor, Streichern, Klavier und einem halligen Noel mit Echo auf der Stimme startet das Album so, als wolle sich das gesamte Orchester vorstellen. Und so bekommt auch jedes Instrument seinen Part in Everybody’s On The Run, am schönsten die filmmusikartigen Streicher kurz vor Ende des Songs.

 

Treibend-bassig geht es weiter in Dream on. Oh me, oh my, I’m running out of battery, singt Noel, obwohl er die Batterie vollgeladen hat wie neben ihm kein anderer. Das Schlagzeug spielt ein minimalistisches Rumpeln, und auch hier singt er ein beinahe sphärisches Echo über sich selbst.

 

Laut und breitschultrig

Track Nummer drei ist die zweite Single des Albums: Das heute erschienene If I Had A Gun, das man eine Ballade nennen könnte, wenn es nicht so laut und breitschultrig daherkäme. Gerade das jedoch muss sein, immerhin sind die Lyrics auf eine harte Weise romantisch: »If I had a gun / I’d shoot a hole into the sun / And love would burn the city down for you«.

 

Der nächste Song ist die erste Single The Death Of You And Me. Das hatte einen vor Erscheinen des Albums wegen seiner Marschmusik-Drums stark an The Importance Of Being Idle erinnert – und leise, ganz leise, befürchtete man, Noel könne sich wiederholen. Altes, nein, veraltetes Material aus der Schublade recyclen. Aber der Song ist lediglich eine um Gypsy-Bläser erweiterte Reminiszenz an vergangene Zeiten und er markiert damit die eine Seite des Albums.

 

Bassig und schnell wie Kasabian

Die andere ist die neue Lautstärke und Breitschultrigkeit, die schon aus If I Had A Gun sprach, und die – noch viel mehr – aus der zweiten Hälfte des Albums spricht. Aus AKA... What A Life! und (Stranded On) The Wrong Beach, die in ihrer Basslastig- und Schnelligkeit fast an Kasabian erinnern – von denen Noel mal sagte, er fände sie »cool«. Es spricht aus dem streicher- und bläserbegleiteten Soldier Boys and Jesus Freaks und aus AKA... Broken Arrow, bei dem der Bass so brummt, dass man Angst hat, die Boxen könnten von der Wand fallen.

 

Zwei von Noel-Solo-Gigs bereits bekannte Songs sind ebenfalls auf dem Album: (I Wanna Live In A Dream In My) Record Machine und Stop The Clocks. Beide hat er neu aufgenommen, und beide finden trotz ihres relativen Alters in neuem Sound ihren Platz.

 

Seinen Platz gefunden hat Noel selbst schon lange. Spätestens seit Noel Gallagher’s High Flying Birds ist klar, dass er dort zu Recht sitzt.

 



 

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