Sieben Jahre lang hieß es: every body waits for Tom. Der dachte sich nur: »Wait and see – you´re as bad as me.« Sieben Jahre sind eine lange Zeit, Waits hat die Sechzig überschritten und könnte sich in der Hall of Fame ausruhen. Nichts da! Er, der als junger Mann schon rumlief wie ein alter Landstreicher und musikalisch nie was auf aktuelle Trends gab, wirkt auf seinem neuen Album jünger denn je. Jetzt ist er ja wirklich alt – und kann ein bisschen was von seiner alt, kaputt und schräg-Attitüde aufgeben. So gibt es zwar auch auf Bad as me Bar- und Schifferklavier, schräge Soulfullness, Kneipenballaden und Seemannsblues. Aber das Songmaterial wirkt straighter und fokussierter denn je – ohne dass man polierten Durchschnitt befürchten müsste. Im Gegenteil!
Obwohl sich hier nichts mehr anhört als sei Waits mit selbst gebastelten Instrumenten die Kellertreppe runtergefallen, gibt es reichlich Stoff zum Genießen, Staunen und Grinsen. Im Opener Chicago harmonieren Banjo und Horn-Sektion, dazu hören wir keine geringeren als Marc Ribot und Keith Richards an den Klampfen. Die sind auch bei Last Leaf vertreten: »I´m the last leaf on the tree, the autumn took the rest, but they won´t take me, I´m the last leaf on the tree.« Und da brauchen wir keine Sorge haben, so schnell lässt sich der gute alte Tom nicht abschütteln. Hell broke luce entfacht wirklich einen höllischen Sound, Marc und Keith liefern fast schon Metal-Riffs zu wilden Handclaps und Toms auf rebellisch getrimmter Stimme. Dazu Flea am Bass. Könnte ein verschollener Post-Punk-Hammer sein. Ein weiteres Bassmonster hören wir mit dem genialen Les Claypool (Primus) auf Satisfied. Und im Gegensatz zum Stones-Klassiker lautet der Tenor hier: »I will get Satisfaction before I´m gone.« Das nimmt der Hörer Waits gerne ab und ist seinerseits mehr als zufrieden mit diesem unerwartet starken Album.