Den größten Teil ihres Lebens hat EMIKA im britischen Bristol verbracht, eben jener Stadt die für ein musikalisches Genre steht, das Mitte der neunziger Beats in einer Weise mit Vocals verband, die sehnsuchtsvoll-melancholische Stimmungen beschwor – und dazu beitrug elektronische Musik einem breiteren Pop-Publikum schmackhaft zu machen. Die Rede ist natürlich von Trip Hop. Ähnliche Entwicklungen sind auch im Post-Dubstep auszumachen. Reduziertes Tempo, angenehme Düsternis, große Skills. Die Bristol-Berlin-Achse, die in der Biographie EMIKAS steckt, vermag man auf ihrem gleichnamigen Album auch herauszuhören.
Wie Nicolas Jaar ist auch sie klassisch ausgebildete Pianistin, überträgt ihre Fähigkeiten in so glanzvolle wie düstere Stücke, das man jubelnd fragt: gibt es schönere Popmusik? Denn das ist es letztlich. Diese Stücke überwinden Grenzen wie zwischen Trip Hop und Dub Step, Mainstream-Kompatibel oder Kenner-Nische, Clubmusik oder Kopfhörersound auf bestmögliche Art und Weise. Das tollste daran: was von Anfang an und auch nebenbei funktioniert, stellt sich bei näherem Hinhören als detailreich und durchaus komplex heraus – ohne die Komplexität jemals auszustellen. Dadurch ist EMIKA sicher länger genießbar als so manche – im Nachhinein doch eher durchschnittlich spannende – Triphop-Platte