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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 11:12

Immanu El: In Passage / September Malevolence: Our Withers Unwrung

03.11.2011

Schüsse vor den Bug und unbeirrbares Vollgas

Immanu El sind mit ihrem dritten Album zurück. KRISTOFFER CORNILS zeigt sich etwas indifferent: Deren Minimalkonsens von Post-Rock überzeugt ihn auch auf In Passage wenig. Nicht, dass die Kombination von orchestralem Gitarrenpomp und Pop-Appeal generell daneben geht: September Malevolence liefern mit Our Withers Unwrung den Beweis, dass es gar nicht mal so viel braucht, um die Mischung zu einer gesunden gedeihen zu lassen.

 

Die Bands vereint durchaus einiges, nicht nur die schwedische Herkunft. Beide haben zudem einen sehr ähnlichen künstlerischen Ansatz: Die Weitschweifigkeit dessen, was gerne mal als Post-Rock oder gar experimentelle Gitarrenmusik gehandelt wird, kombinieren sie mit eingängigen, nahezu poppigen Strukturen und Melodien, die im Gesang ihre Wirkung entfalten. Interessanterweise argumentieren beide Pressetexte mit ähnlichen Bildern: Was bei In Passage die Rekonstruktion eines gesunkenen Schiffes und eine Reise von Schweden nach China ist, dafür hält bei Our Withers Unwrung eine Bahnfahrt durch ländliche Gebiete her.

 

So weit, so gut, so viel pathetischer Schmonz. Während Immanu El sich jedoch auf die esoterische Ästhetik verlassen, die über vieldeutige, emphatisch gehauchte Lyrics und vage Songtitel kommuniziert wird und bis in die generischen Gitarren-Build-ups hineinreicht, bleiben September Malevolence wesentlich bodenständiger. Bei ihnen kommt die pianogetragene Langatmigkeit ihrer Landsmänner nicht auf, sie verlieren sich nicht in Harmoniesucht, sondern beweisen Ecken und Kanten. Ihr Fundament finden sie eher im Indie Rock mit Ausflügen in die zuckrigen Welten des Pop. Ausgeflippt wird dann im genau richtigen Moment. Was bei Immanu El fast schon parodistisch-überzogen wirkt, weil die Songs eigentlich aus nichts anderem bestehen, das ist bei September Malevolence noch eine logische Konsequenz, die aus den Songs selbst entsteht. Our Withers Unwrung wartet mit Überraschungsmoment auf, statt sich in voraussehbaren Laut-/Leise-Dynamiken zu verlieren.

 

Abstrakt ausgedrückt besteht der Hauptunterschied zwischen beiden Bands im Umgang mit einer musikalischen Tradition, die seit gut zehn Jahren als massenkompatibel gilt. Wo sich Immanu El auf den größtmöglichen Effekt konzentriert diese Standards reproduzieren, da geben sich September Malevolence ungezwungen, legen das Augenmerk auf spannendes Songwriting und verlieren über alle Entrücktheit den Spaß an der Sache nicht. Kurz und bündig heißt das: Während die eine Band ihrem antiquarischen Schiff einen Kanonenschuss der absoluten Verschwurbeltheit vor den Bug jagt, dampft die eine unbeirrbar mit Vollgas dahin. Mit einem Spaß an der Sache, der schnell abfärbt.

 

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