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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 11:16

Toms Schnellgericht

10.11.2011

Selected and Conducted

When Saints Go Machine machen den Auftakt zur neuen Watergate-Compilation und liefern ein passendes Motto für die folgenden Neuerscheinungen. Von TOM ASAM

 

Der Nicolas Jaar-Remix von When Saints Go Machine´s Fail forever ist ein mehr als gelungener Einstieg in die neunte Runde der Club-Compilation Watergate, die diesmal von Tiefschwarz zusammengestellt wurde. In der Folge sorgen Top-Namen wie John Roberts oder Mathias Aguyago für Qualität und stilistische Vielfalt. Von Minimal über abgedrehtes Tanzbudenfutter bis zur straighten Abfahrt ist alles drin, ohne dass ein vorherzusagender Aufbau der Stimmung stattfindet. Neben brandneuen Nummern findet sich hier auch mal ein Stück, dass über 20 Jahre auf dem Buckel hat (Kevin Saunderson). Gewohnt souverän das Ganze. Da freut sich die Nachteule (tolles Cover!)

 

Nicht weniger empfehlenswert ist die Mix-CD, die Berghain-Resident Marcel Dettmann anbietet, Titel: Conducted. Das Wort to conduct hat diverse Bedeutungen, meint im musikalischen Sinne »komponieren«, aber auch »führen« oder »erden«. Und sie passen hier irgendwie alle. Diese Zusammenstellung (u.a. Shed, Redshape, Morphosis) ist eine gelungene Komposition, die uns zielsicher in eine düster-athmosphärische Parallelwelt des House entführt, fesselt und sprichwörtlich erdet, in dem sie uns auf den Dancefloor zwingt.

 

Matt Edwards aka Radio Slave gehört zu den professionellen Nachteulen, die dem Trend zu Album-Veröffentlichungen im Club-Umfeld eher schulterzuckend entgegentritt. Er beschäftigt sich weiter mit Remis-Arbeiten und der Veröffentlichung von Maxis. Allerdings bekommt man seine Arbeiten der letzten Jahre nun bestens zusammengestellt doch in Album-Form – und zwar als dreifach-CD! CD1 konzentriert sich auf Remix-Arbeiten, bei denen die Vocals eine größere Rolle einnehmen, unter anderem von UNKLE feat. Ian Astbury (Burn my shadow) oder Trentemøller (Moan). Auf CD2 stehen die etwas roheren, heftigeren Dancefloor-Remixes von Matt im Zentrum des Geschehens: Hell feat. P.Diddy oder Roman Flügel presents Soylent Green. CD3 präsentiert acht Panorama Garage Remixes (u.a. Ramirez oder Chicken Lips). Value for Money! Übrigens dürfte der ein oder andere Matt Edwards noch aus einem anderen Zusammenhang kennen: Quiet Village!

 

Wer keine Quiet Village-Scheibe zur Hand hat, dem sei folgende Option für ein gediegenes Chillout-Stündchen empfohlen: Tycho. Unter diesem Namen verfolgt der Amerikaner Scott Hansen seine Vorstellung einer in Neonfarben getunkten Fortführung alter Prog-Rock-Erinnerungen, die auf chillige Soundwellen treffen. Gefällig, aber auch etwas altbacken. Die Zukunft klingt anders, aber in Noten transformierter Retrofuturismus macht auch Laune. Schönes Cover von ISO50, ein anderes Pseudonym von Scott Hansen, der auch als Grafiker ein Händchen hat.

 

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