Zunächst die neuen Songs. Punk und Ska, Ska und Punk. Gitarre, Bass, Schlagzeug, zwei Tröten, dazu Sebs Stimme, die immer bis zum Äußersten geht. Das ist nicht neu aber saugut gemacht. Tight eingespielt, fett produziert und alles schön kurz und knapp gehalten. Beste Unterhaltung, schön tanz- und mitgrölbar – more wine waiter, please!
Etwas mehr Zeit – und vielleicht auch 'ne Pulle Pastis – sollte man sich für den Genuss der DVD Detour(s) nehmen. In gut zwei Stunden hat der Regisseur, Kameramann und guter Freund der Band Julien ›Fifou‹ Fagot die Konzertreise durch Osteuropa aus dem Jahr 2009 zusammengefasst. Und wie es sich für gute Freunde gehört, ist die Kamera immer dann an, wenn es interessant wird. Aber der Reihe nach. P.O. Box leben für die Bühne, für ihre Fans, für die Magie eines geilen Konzerts. Dafür reisen sie gerne und weit, denn in den reichen Ländern Europas sind zwar die Gagen sicher aber das Abenteuer klein. Also auf in den wilden Osten! Kroatien, Mazedonien, Bulgarien, Rumänien, Griechenland, die Ukraine, Litauen und Polen sind u.a. die Stationen auf ihrer Tour gen Osten, hart und ungeschönt gefilmt.
Los gehts im Probekeller im heimeligen Frankreich. Letzter Feinschliff an den Songs und die Koffer ordentlich im Bus verstaut. Dann ab auf die Straße, die die große Freiheit bedeutet. Aber nur bis zum ersten Stau, der den Tourplan schon am ersten Tag kräftig ins Wanken bringt. Der Film zeigt sieben Freunde, die einfach Bock auf ihre Musik haben und dafür jede Menge Unannehmlichkeiten in Kauf nehmen. Egal wie weit man fährt, die Probleme bleiben immer gleich. Wie ist der Club? Wo können wir pennen? Gibts überhaupt Soundcheck? Warum sind so wenige Leute da? Und wo ist der Typ mit der versprochenen Gage?
Lustig die Szenen, wenn am Pennplatz die Aftershowparty steigt oder fremde Menschen in den angeblich freien Betten liegen oder die Nacht in Griechenland. Das einzige noble Hotel auf der ganzen Fahrt wird verschmäht, dafür die ganze Nacht durchgefeiert. Das sind ganz großartige Große-Jungs-Momente. Rächt sich allerdings schon am nächsten Tag bitter, weil besser kommt`s nicht. Eher das Gegenteil ist der Fall. Die Kamera ist immer nah an der Band, verschlafene Männer in Unterhosen, beim Zähneputzen, Pinkeln und im Bus sitzen. Andere Bands, Promoter oder Fans kommen, wenn überhaupt, nur am Rande vor. Großes Thema sind die immer kniffligen Grenzübertritte. Im Europa des Schengener Abkommens kaum mehr vorstellbar: eine bewachte Grenze zwischen zwei Staaten ist ein enges, schmales, schier unüberwindbares Nadelöhr. Dazu gibt es viel wildes Land und jede Menge abgefahrene Orte zu bestaunen. Und wenn es nur für 20 Minuten Spielzeit ist, einen Swimmingpool direkt vor der Bühne findet man wohl nur in der Ukraine!
So 'ne Tour ist nichts für schwache Nerven, Sauberkeitsfanatiker und Menschen mit festen Finanzierungsplänen im Kopf. Eher was für Männer mit großem Herz und einem unvorstellbar sarkastischem Humor wie Gitarrist Jay oder Trompeter Yul, die auch im finstersten Loch die Kerze der guten Laune entfachen. Konzert abgesagt trotz 1000 Kilometer Fahrt auf löchrigen Straßen, Feilschen um ein paar Euros für eine verkaufte CD, ein kaputter Auspuff mitten im Nirgendwo? Scheiß drauf, where the true detours force les is not in moving away, but in reaching a goal with more accuracy!