The absence of amplification does not mean folk!
Und dann war da ja auch noch die livehaftige Erfahrung. Am 08. Oktober machte das Revival Tour Package halt im Münchner Backstage. Große Halle und »Ausverkauft«-Sticker an der Tür lassen mich staunen, hätte ich doch nicht mit so viel Zuspruch von Seiten der Jugend gerechnet. Das Konzept der Konzerte sieht vor, dass Chuck Ragan, Brian Fallon, Dave Hause und Dan Andriano sowohl gemeinsam als auch ganz alleine auf der Bühne stehen. Ragans Sidekicks Gaunt und Ginsberg ergänzen den Sound um Kontrabass und Fidel, wenn gewünscht.
Los gehts in großer Besetzung. D.h. alle sechs treten gemeinsam auf und tasten sich vorsichtig an das Publikum ran. Dazu werden ein paar von Ragans Kompositionen verwendet. Dann wird die Bühne leerer und jeder Einzelne erhält seinen Spot. Alleine oder mit Kollegen darf er sich durch sein Repertoire arbeiten. Und leider trifft es der Begriff ›arbeiten‹ ganz gut. Zeichnet sich Volksmusik durch eine gewisse Spontanität und Improvisationsgabe aus, bleibt es hier doch immer stets bemüht. Hause und Adriano versprühen so viel Charisma wie Bertie Vogts und schrammeln sich durch die Hits ihrer Hausbands. Das wird vom Publikum artig beklatscht. Mehr aber auch nicht.
Chuck Ragan hat degegen mehr Routine und Erfahrung. Seine beiden Kollegen im Hintergrund glänzen bei seinen Songs und irgendwie ist es auch seine Veranstaltung. Der Großteil der Leute ist heute wegen ihm hier. Spontanität oder überraschende Songs sind allerdings hier auch Fehlanzeige. Brian Fallon weiß dem Publikum zu gefallen, enttäuscht mich persönlich aber am meisten. Zu sehr auf Nummer sicher, zu sehr auf ein paar positive Facebook-Einträge heischend, biedert er sich dem artig gestylten Publikum an. Arbeitet sich an allen Gaslight Anthem Hits ab, traut sich nicht einen Song seines gerade erschienen Soloalbums zu spielen - und bleibt auch sonst blass
Man of the Match wird mit großem Abstand Jon Gaunt an der Geige. Er tut so, als ob ihn das alles nichts angeht und macht damit eine super Figur. Fraglich bleibt, was sowas mit Folkmusic zu tun hat, wenn »Punker« ihre Lieder auf der Schalllochgitarre durchschrubben. Wahrscheinlich genauso viel, wie die ganze Veranstaltung etwas mit Punk zu tun hat. Nämlich nichts. Fast schon erschreckend wirkte auf mich, wie wenig Entertainer-Qualität in den einzelnen Musikern steckte. Null Witz, kein Humor und stereotype Ansagen, vom eindimensionalen Gitarrenspiel mal ganz abgesehen. Wer so etwas in gut und unterhaltsam sehen will, sollte lieber zu Frank Turner gehen oder John K. Samsons seltene Konzerte besuchen. Für mich hiervon bitte kein Revival mehr!