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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 11:23

Thisquietarmy: Resurgence

17.11.2011

Feinsinnige Synthese

Kanada gilt seit Langem als ein Land, aus dem richtungsweisende experimentelle Musik kommt. Das legendäre Label Constellation, die Revolution der Popmusik durch Broken Social Scene und die vielzähligen anderen Künstlerkollektive scheinen dort regelrecht auf Ahornbäumen zu wachsen. Nicht erst seit Kurzem dabei: Eric Quach, der mit seinem Projekt Thisquietarmy immer mehr Aufmerksamkeit auf sich zieht. Warum das völlig angemessen ist, erklärt KRISTOFFER CORNILS.

 

Die pulsierenden Synthies von Rebirth geben dröhnenden Gitarrenriffs statt, ein hohes elektronisches Flirren schaltet sich dazu: Resurgence nimmt seinen Auftakt, mit aller Ruhe, mit allem Anspruch auf ein breitwandiges, raumausfüllendes Klangerlebnis, das sich aus einzelnen Elementen langsam kathedralenhoch aufbaut. Wenn dann der metallische Drumcomputer von Revival übernimmt, zieht das neue Album von Quach ordentlich das Tempo an. Aus dem Dröhnen wird eine treibende Gitarrenmelodie, die bald von verzerrt-shoegazigen Akkordfolgen unterfüttert und abgelöst wird – Quach ist ein klares Kind der 80er Jahre, Post-Punk, Shoegaze, ein wenig Batcave, das hat seinen Sound inspiriert. Daneben steht eine Vorliebe für Noise-infizierten Drone nicht unähnlich dem, was Aidan Baker solo oder zusammen mit Leah Buckareff mit Nadja im gefühlten Fünfminutentakt veröffentlicht. Das liegt nahe, Quach hat bereits mit Baker kollaboriert, die beiden haben Europa betourt und da ist es kaum verwunderlich, dass man aufeinander abfärbt.

 

Beide Musiker sind unglaublich kollaborierfreudig und vor allem: hyperproduktiv. Es ist eigentlich kaum zu glauben, aber in den vier Jahren, in denen Quach an den 21 Songs auf Resurgence bastelte, veröffentlichte er munter weiter, mit selbst gestaltetem Artwork, über den eigenen Webstore – ein Allaround-DIY-Ästhet also. So beeindruckend wie die Vita Quachs hört sich dann auch Resurgence an, ein Album, das seine Einflüsse gar nicht verhehlt, sondern sie zu kombinieren versucht.

Herausgekommen sind zweieinhalb Stunden Musik, die wohl für nervöse Zeitgenossen eine Überforderung darstellen dürften . Die Songs brauchen Luft, um sich zu entwickeln, sie basieren auf Loops, wie bei guten Techno-Tracks kommt genau im richtigen Moment erst wieder ein neuer Klang, ein neues Element tritt hinzu, eine neue Facette wird beleuchtet. Whirring Brain zum Beispiel tanzt einige Minuten behäbig auf der Stelle, nimmt das Tempo aus einem Album, das mit Revival noch einen sehr zackigen Auftakt erlebt hatte. Das ist charakteristisch für Quachs Arbeit, er vertieft sich darin, mit Nuancen zu arbeiten, fügt hier etwas mehr Nebengeräusche bei, nimmt dort das Schlagzeug raus, dreht hier die Gitarren voll auf, lässt dort mal Meryam Yildiz‘ geisterhaft verfremdete Stimme über apokalyptische Drones fahren. Und erreicht damit eine Atmosphäre, die zwischen beklemmend und euphorisch oszilliert.

 

Thisquietarmys Resurgence ist pure Manipulation, ein crowd controller, garantiert kein crowd pleaser. Ein besitzergreifendes Album, das in seinen Bann zieht, auf eine langsame, unverwechselbare Art. Durch seine feinsinnige Synthese von dunkelromantischer Ästhetik und kontemporären Sounds schafft sich Thisquietarmy nicht nur eine eigene Nische, sondern bringt Kanada endgültig zurück auf die Landkarte, mit einem Sound, der richtungsweisend sein könnte.

 



 

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