Eli Pariser: Filter Bubble Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero Der FUTTERblog - streng verdaulich! Joy As A Toy: Dead As A Dodo Nis-Momme Stockmanns Heimkehrstück "Der Freund krank" in Frankfurt uraufgeführt
Mittwoch, 23. Mai 2012 | 11:32

V/A: Vogelperspektive Vol. 1

24.11.2011

Blick nach vorne

Avantgarde ist ein gewichtiges Wort, das eine nach vorne gerichtete Kreativität erwarten lässt. Um zu sehen, wo vorne ist, empfiehlt sich die Vogelperspektive. Weitsichtige Jazzimprovisationen aus Voralberg. Vorgestellt von TOM ASAM

 

Bevor Alfred Vogel sich der Jazz-Avantgarde verschrieb, sammelte er zahlreiche Erfahrungen im Rock und Funk, wobei ihm unabhängig von der Stilrichtung eine Portion Soul im Sinne emotionaler Nähe wichtig ist. Besonders entscheidend wird der Draht zum Mitmusiker, wenn man sich der Improvisation – Vogel nennt es »real time composing« – widmet. Der 1972 in Bregenz geborene Vogel  führt seit 2004 sein eigenes Label Boomslangrecords, was ihm Freiheiten verschafft, die er nur allzu gerne nutzt. So stellt Vogelperspektive nicht weniger dar, als den Auftakt zu einer fünfteiligen CD-Reihe, einem Zyklus der sich noch über das Jahr 2012 erstrecken wird. Auf seiner ersten Flugstrecke wird er begleitet von John Schröter (Fender Rhodes, Drums), Billy Martin (u.a. Lounge Lizards / »Pots and cans«), Kalle Kalima (Gitarre), Christian Lillinger (Drums), David Helbock (Keys, Elektronik) und weiteren Musikern.

 

Jazz ist der Begriff, den Vogel am ehesten heranzieht, um die Klangexperimente zu beschreiben, die hier entstanden sind. Vogel, der unter anderem in New York, Inbegriff  von Urbanität wie Heimat des avantgardistischen Jazzgeschehens, Inspirationen gesammelt hat, scheint einer jener Menschen zu sein, die die Kreativität der Metropole in die Provinz zu verlegen imstande sind. Dabei kommt es nicht etwa zu Qualitätsverlusten, sondern zu einem spürbaren wie fruchtbaren Aufeinandertreffen von Gegensätzen. Ob im gleichzeitig cineastisch wie abgespaced daherkommenden Man on the harmonia, das als Referenz an Morricone zu lesen ist, dem  bitchy Crossfade brew oder der über 10-minütigen Facebook love affair: hier herrscht keine Sekunde Langeweile oder Beliebigkeit, und man kann sich in der Tat vorstellen, dass diese Musiker auch auf vier weiteren Alben mit ihren Improvisationen begeistern werden. File under Postjazz, Postrock, Alpenlandavantgarde oder Doom 3000. Egal, aber Reinhören ist Pflicht für alle Hörer mit offenen Ohren!

 



 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Toppreis für Ihr Zahngold

Mit Die Sorgen der Killer empfiehlt sich Guido Rohm einmal mehr als Avantegardist der deutschen Kriminalliteratur.

Von THOR KUNKEL

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

»Scheißwald,
Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...