Eli Pariser: Filter Bubble Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Aléa Torik: Das Geräusch des Werdens von Michael Ebmeyer Der FUTTERblog - streng verdaulich! Nis-Momme Stockmanns Heimkehrstück "Der Freund krank" in Frankfurt uraufgeführt
Mittwoch, 23. Mai 2012 | 11:35

Baloji: Kinshasa Succursale

01.12.2011

Tradimoderner Zauber(er)

Der Erfolg von Balojis erster Soloplatte Hotal Impala im Jahre 2008 ermöglichte dem aus dem Kongo stammenden und in Belgien lebenden Künstler neue Möglichkeiten. Von TOM ASAM.

 

Identitätssuche war das zentrale Thema auf Hotel Impala. Baloji fasst das Dilemma vieler Migranten so zusammen: »Dort drüben fühle ich mich nicht besonders kongolesisch und hier fühle ich mich nicht besonders belgisch.« Das Album war seine persönliche Antwort auf die Frage seiner biologischen Mutter am Telefon: »Und was hast du so in den letzten 25 Jahren so gemacht.« Eine emotional intensive Ausgangslage, die der 33-Jährige musikalisch so überzeugend umsetzte, dass Hotel Impala nicht nur Doppel-Gold in Belgien einfuhr, sondern auch mehrere Kulturpreise. Darunter der Brassens-Preis für lyrisches Schreiben, der dazu beitrug, dass Baloji 2008 im Auftrag einer belgischen Institution in den Kongo reisen konnte, um einen Workshop für kreatives Schreiben zu leiten. Gut ein halbes Jahr später kehrte er nochmals zurück in das Land, in dem er die ersten vier Jahre seines Lebens verbrachte. Diesmal im Gepäck: Sound Engineer Cyril Harrison, Bassit Didier Likeng, Computer und Mikrofone – sowie den unbedingten Willen mit kongolesischen Musikern gemeinsam »eine Art Vorort-Version von Hotel Impala« zu schaffen.

 

Eine Woche lang gaben die Musiker alles. Unter ihnen ein Trio aus Balafonen, Sänger und Erzähler sowie die komplett integrierten Gruppen Konono No.1 und Zaiko Langa-Langa. Alles wurde akustisch eingespielt, Effekte waren unnötig, das Stimmen von Gitarren zu vernachlässigen. Im Zentrum der Aufnahmen stand die spontan im namengebenden Ghetto entstandene Afro-Soul-Jazz Kombo Orchestrer La Katuba, um die die anderen Musiker ihre Rhythmus- und Melodiebeiträge woben. Tradimoderne Stücke stehen neben traditioneller Rumba, swingender Mutuashi, Afrofunk und Ska-Roots kontrastieren mit Balojis Hip-Hop-geschulter Stimme. Während Hotel Impala noch mehr die Sehnsucht nach der verlorenen Heimat repräsentierte, strahlt Kinshasa Succursale das Selbstbewusstsein aus, die aus der Möglichkeit, das Beste aus verschiedenen Welten kreativ zu verbinden, entstehen kann. Und falls das nach Zauberei klingt: nichts anderes als »Zauberer« bedeutet Baloji in Suaheli.

 



 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

Toppreis für Ihr Zahngold

Mit Die Sorgen der Killer empfiehlt sich Guido Rohm einmal mehr als Avantegardist der deutschen Kriminalliteratur.

Von THOR KUNKEL

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

»Scheißwald,
Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...