Man glaubt es ja kaum, aber über Jahre hinweg holte der Süddeutsche Rundfunk die Stars des damaligen Jazz nach Stuttgart wie Joachim-Ernst Berendt vom Südwestfunk in den badischen Raum. In ihrer Summe ergeben sie ein Who's who des Jazz, um das jüngere Fans das Publikum nur beneiden können, das regelmäßig zum Treffpunkt Jazz in die Liederhalle oder anderswohin strömte.
Dieses Wunder öffentlich-rechtlichen Verantwortungsgefühls hatte einen Namen: es hieß Dieter Zimmerle. Zusammen mit Wolfram Röhrig beließ er es nicht bei schönen Sonntagsreden, sondern setzte seine Ideen in Taten um. Es gelang ihm, die Künstler, von denen nicht nur er schwärmte, ins Ländle zu locken und, was fast noch utopischer klingt, angemessen zu bezahlen. Der Rundfunk subventionierte das Konzert, und die Besucher profitierten von Eintrittspreisen, von denen man heute nur noch träumen kann.
Jetzt hat der Erbe des SDR, der SWR, seine Archive geöffnet und einige Konzertmitschnitte in einer CD-Serie auf einem neuen Label veröffentlicht. Dass man es »jazzhaus« genannt hat, schafft Verwirrung. Es gibt bereits ein kleines Freiburger Label dieses Namens, und das verdiente Kölner Label JazzHausMusik lässt sich auch leicht damit verwechseln. Leider – und das vermindert das Vergnügen – sind einige Aufnahmen der neuen Serie technisch unbefriedigend, um es genauer zu sagen: katastrophal abgemischt und nicht nach heutigen Standards remastert. Für Art Blakeys Auftritt in der Untertürkheimer Sängerhalle, einem unspektakulären Vorstadtsaal, der eher an eine Turnhalle erinnert als an ein Konzertetablissement, gilt das zum Glück nicht. Hier standen die Mikrophone richtig, hier haben die Tontechniker gute Arbeit geleistet
Neben dem bereits erwähnten Moanin' enthält die CD zwei weitere bekannte Titel, Benny Golsons I Remember Clifford (gemeint ist der mit 25 Jahren verunglückte Trompeter Clifford Brown) und das viel gespielte Body & Soul sowie je eine Komposition der Bandmitglieder David Schnitter, James Williams und Robert Watson. Die Musiker dürfen sich Zeit lassen. Die einzelnen Stücke dauern zwischen sieben einhalb und fast neunzehn Minuten. Diese Musik, die man stilistisch dem Hardbop zuordnet, hat nichts von ihrer Vitalität eingebüßt. So intelligent, so frei von kitschiger Anbiederung kann Schönheit sein.