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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 11:46

Topper: Punk Don`t Death... Just Get Through It

12.01.2012

Autocomplete - pseudorotzig!

Punk Don’t Death… Just Get Through It! Ja, äh, genau. Was? Auf dem zweiten Album stellt der Titel noch den Höhepunkt der Kreativität der schwedischen Band Topper dar. Muss man nicht unbedingt through, findet KRISTOFFER CORNILS. Zumal: Diese Art von Punk deathed a long time ago!

 

Vor einigen Jahren war der Nabel der Punk-Welt noch Schweden. Das Label Burning Heart saugte sich mit seinen Veröffentlichungen so fest an den Puls der Zeit, dass kaum noch eine pubertäre Filmkomödie ohne Millencolin-Song auf dem Soundtrack auskam. Auf jedem Konzert konnte man mindestens fünf Satanic Surfers-Shirt ausmachen und eine hochambitionierte Hardcore-Band wie Refused deklarierte kurzerhand The Shape Of Punk To Come. Heutzutage sieht das anders aus: Als die Zielgruppe von Fun- und Skate-Punk die Pubertät überwand, verlor sich das Interesse am melodischen skandinavischen Import-Produkt. Die jungen Generationen suhlen sich lieber in immer härteren Sounds, die gepaart mit immer quietschigerem Artwork daherkommen. Topper versuchen auf Punk Don’t Death… Just Get Through It wohl den Esprit des goldenen Zeitalters wieder aufleben zu lassen – wenn man den dadaistischen Albumtitel denn so deuten kann.

 

Konservative Klischees

Schon nach dem Opener 15 Miles hat die Band alle überholten Standards runter gekloppt, von den adoleszenten So I walk so alone-Lyrics über Gangshouts und zackige Riffs, zu denen man vielleicht super Tony Hawk hätte zocken können. Klar ist es unfair, den Schweden vorzuwerfen, mit ihrer Musik nicht mehr zeitgemäß zu sein – das ist schließlich kaum ein Qualitätsurteil. Aber die Band produziert einen Bausatz-Punk, der nicht nur furchtbar anachronistisch, sondern auch unendlich debil klingt. Jedes rockige Gitarrensolo, jeder Break und jeder Refrain ist vorauszusehen, das ist pseudo-rotziger Punk nach Autocomplete-Prinzip. Jede Akkordfolge, jeder Abhüpfpart rekonstruiert ein Klischee nach dem nächsten.

 

Damals, Ende der Neunziger, Anfang der 2000er-Jahre, als ein Skateboard noch Coolness-Garant war, als in IKEA-Kinderzimmern krude Anarchietheorien gesponnen wurden, hätten Topper ihre Zeit gehabt. Vielleicht hätten sie damals die Überzeugungskraft gehabt, die ihnen jetzt sowohl musikalisch wie textlich fehlt. Schuld sind – so konservativ zeigt sich die Band wirklich in dümmsten Punk-Klischees verwickelt – neben denen da oben (»Do you love your country? Do you love your king? […] NO! Because they gave us nothing!«) natürlich die Erwachsenen, das heißt also die Spießer (»When you’ve grown up / they showed up / and they said: You got it wrong […] What have you done / with your life?«).  

 

Punk is dead!

»We live in the suburbs! We live in the suburbs! We live in the suburbs! Seven days a week!« heißt es in der Single-Auskopplung Suburbs. Schlimmstenfalls soll das eine in Ironie verkleidete Gesellschaftskritik sein, die mit ihrem übereingängigen Refrain musikalisch gut zu den restlichen Themen von Punk Don’t Death… Just Get Through It passt: Bier trinken, Sex haben (»Hey baby, I feel alright / all I wanna do is fuck all night«) und noch mehr über Staat und Individuum berichten.Zu doof nur, dass die Kids mittlerweile nicht mehr auf solch rotzigen Romantizismus reinzufallen – und musikalisch können Topper trotz aller Catchiness, sauber dahingeschredderter Akkorde,  schmelzig-käsigen Gitarrenlicks oder mittels des absonderlichen Dub-Ausflugs im letzten Track wohl wirklich niemanden hinter dem Ofen hervorlocken.

 

Wer sich etwas in guilty-pleasure-Nostalgie suhlen will, dem sei zum Griff in den Backkatalog von Burning Heart geraten. So aber sei gesagt: Punk deathed a long time ago and you killed through it! Oder sowas.

 



 

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