Man kennt das von Soloausflügen diverser Musiker: back to the roots, sich auf die Suche nach den Quellen der »ehrlichen« Musik begeben. Da ließ sich schon so manchner L.A.-Hair-Metaller dazu hinreißen, den Blues zu entdecken, mit Tinte zugestochene Punkrock-Zigarettenbürschchen machten sich auf, in Richtung Folk – oder dem was sie dafür halten – und so mancher entdeckt die Liebe zum klassischen Singer-Songwritertum. Und so nutzte auch Craig Finn die Zeit zwischen zwei Alben seiner Stammkapelle The Hold Steady für die Produktion einer Platte mit reduzierten Mitteln. Raus aus der U-Bahn, rauf auf den Gaul – auf Richtung Texas.
In Austin, traf er mit einem Sack voller Songgerüste auf eine Truppe erfahrener Studiomusiker. Elf Songs fanden schließlich den Weg auf das Album; statt sattem Classic-Rock mit Indiefärbung setzt Finn hier auf eine individuelle Annäherung an Country und Folk. Die melancholische Grundstimmung des Albums wird den Erfahrungen eines Loners gerecht, der auf den staubigen Pisten des Südens selten auf Gleichgesinnte trifft – da macht so mancher Jesus zu seinem »cool new buddy« (New friend Jesus). In Zeiten der Depression reitet aber auch schon mal der Teufel mit (No future).
Clear heart full eyes überzeugt vor allem durch eine routinierte Instrumentierung, bei der die (Slide-)Gitarre herausragt. Finns nörgeliger (Sprech-)Gesang fügt sich gut ein. Die Annäherung an Roots-Sounds gerät glücklicherweise nicht zu klischeemäßig. Das Songmaterial bewegt sich allerdings insgesamt nur im Mittelfeld und pendelt immer wieder zwischen angenehm unaufgeregt und unangenehm unaufregend. Clar heart full eyes sei eher neugierigen The hold steady Fans ans Herz gelegt als passionierten Cowboystiefel-Trägern.