Caroline Herring: Wellspring
13.02.2004
Das Erbe von Joan Baez
Erinnern Sie sich an Joan Baez? Es gab Legionen von Sängerinnen, die sie mit mehr oder weniger Erfolg kopierten. Inzwischen ist das Genre fast ausgestorben, jedenfalls in Europa, in den verbreiteten Programmen. Ab und zu aber lohnt es sich, aufzuhorchen. Wer leise Musik zwischen Folk und Country schätzt, wer die Intimität der Singer Songwriter der grobschlächtigen industriellen Massenware vorzieht, wird an Caroline Herring seine Freude haben.
Sie verfügt über eine warme, angenehm klingende Stimme, hat eine kongeniale Band an ihrer Seite - sie selbst spielt, wie sich’s gehört, die “akustische” Gitarre -, und ihre Songs sind textlich anspruchsvoll und musikalisch abwechslungsreich. Bei aller Leichtigkeit haben die meisten Lieder einen wehmütigen Unterton. Sie schmeicheln sich ins Ohr, freundlich und aggressionsfrei, aber ohne falsche Sentimentalität. Caroline Herring besingt ihre amerikanische Heimat, die sie offenbar liebt, aber da gibt es keine patriotischen Misstöne, wie wir sie in jüngster Zeit allzu oft vernehmen mussten. In einem Song heißt es: “There’s a world of people dying out there/ Many of them on the east side/ I never staked a claim with the rich folks/ Though I am one.”
Thomas Rothschild
Caroline Herring: Wellspring. MMACD 1015 (Vertrieb: in-akustik)