Eli Pariser: Filter Bubble Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Aléa Torik: Das Geräusch des Werdens von Michael Ebmeyer Kathrin Hartmann: Wir müssen leider draußen bleiben Kennzeichen T - 28.04.2012
Mittwoch, 23. Mai 2012 | 12:05

Toms Schnellgericht

02.02.2012

Musique Electrique

Sie leben. Die Stimmen vom neonfarbenen See an den blauen Feldern. Von TOM ASAM.

 

Das einzige was man am gemeinsamen Debutalbum von Benjamin Damage & Doc Daneeka bemängeln könnte, haben Sie schon wahrgenommen, bevor Sie diesen Satz gelesen haben. Das Cover – es ist doch eher nichtssagend. Dafür überzeugt der Inhalt umso mehr und dürfte dafür sorgen, dass der Name Modeselektor künftig noch öfter mit dem Label 50 Weapons in Verbindung gebracht wird.  Die Waliser Damage und Daneeka beginnen ihr Album They! Live mit Unterstützung der Sängerin Abigail Wyles eher ruhig, düster und gefühlvoll, bevor der dritte Track, Deaf siren, auch Schwerhörige wachrüttelt, um sicherzustellen, dass den darauf folgenden Hit Creeper keiner verpasst. Dieser ging dem Album schon voraus und gilt bereits als Deep-Rave Perle. Damit ist der Höhepunkt des Albums auch erreicht, das jedoch auch über die restliche Spieldauer mit seiner Bandbreite von Deep House über Techno bis zum Einsatz von Break Beats zu überzeugen weiß.

 

Die Ghost Story, die uns Blue Fields mit ihren Tracks erzählen, ist nicht wirklich spukig, aber auf alle Fälle spannend. Es passiert nicht alle Tage, dass sich ein kanadischer Produzent und DJ (Mike Shannon), ein japanischer Gitarrist (Takeshi Nishimoto) und ein deutschtürkischer Sänger (Fadila) zusammentun, um ihren eigenen Entwurf eine Synthese aus NuJazz und elektronischer Musik zu umzusetzen. Groovende und swingende Downtempo-Stücke schweben zwischen Himmel und Erde. Atmosphärisch dicht und detailverliebt produziert, stellt Ghost Story ein gelungenes Stück Ambient der phantasiereichen Art dar, bei dem auch Dub-Jünger zu ihrem Recht kommen. Anspieltipp: Best served cold, bei dem der kühle wie kühne Jazzentwurf besonders gut zur Geltung kommt.

 

Kaum verwehen die letzten Klänge der Ghost story, vernehmen wir Voices from the lake, die die ambienthafte Stimmung aufrecht erhalten und vorsichtig mit Techno kontrastieren. Die Italiener Donato Dozzy und Neel erzeugen mittels Loops und Wiederholungen einen hypnotischen Effekt, dem man sich gerne gänzlich hingibt. Die Stimmen vom See und andere (vermeintliche) Naturgeräusche scheinen  einem seltsamen  Zustand geschuldet, den der Hörer durchlebt, während er sich kurz vor Sonnenaufgang vom Clubsound der Großstadtnacht entfernt. Euphorisch und entrückt zugleich.

 

Hinter dem eher ungewöhnlichen Namen j.r. plankton stehen der Multiinstrumentalist Robert Ohm (Nomen est O(h)men) und Jens Strüber, der sich beim Label M=minimal zum Beispiel um Veröffentlichungen der Krautrocklegende Conrad Schnitzler kümmert. Der Eröffnungstrack ihres spannenden Albums neon erinnert nicht nur durch seinen Titel (musique electrique) an eine andere Legende: Kraftwerk. Diese geistern dem Hörer bei den folgenden vier (über-)langen Stücken allerdings eher deshalb durch den Kopf, da sie den Begriff »Menschmaschine« mitprägten. Mensch und Maschine machen die Metropole zum Dschungel (city jungle), trotz aller Sehnsucht nach reiner Natur (sundance, regen), gelangt der Mensch oft erst in der Symbiose mit der Maschine zu einer Schönheit, die ihm zeitgemäß scheint. Diese Kooperation von Mensch und Maschine ergibt auf neon ein Geflecht aus Krautrock und Electronica; sie ist Zitat wie Ausblick zugleich und wirkt alles andere als gekünstelt.

 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

»Scheißwald,
Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...