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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 12:06

Ural Umbo: Delusion Of Hope / Pendulum Nisum: Pendulum Nisum

09.02.2012

Manipulation und Endzeit

Das Jahr 2011 war reich an interessanten Veröffentlichungen im Schnittbereich von Drone, Ambient, Noise, Doom und Industrial. Zwei Platten wurden jedoch sträflicherweise übersehen: Ural Umbos Delusion Of Hope und Pendulum Nisums gleich betiteltes Debüt. KRISTOFFER CORNILS plädiert dafür, dass die Top-10-Listen des letzten Jahres umgehend neu geschrieben werden.

 

Von der ersten Sekunde an nehmen Pendulum Nisum ihre Hörerschaft an die Hand. Mit simplen Tricks, könnte man vielleicht kritteln: Feldaufnahmen eines Gewitters, Sirenengeheul und ein hoher, markerschütternder Keyboard-Akkord schaffen eine unheimliche Atmosphäre. So richtig interessant wird es jedoch spätestens dann, wenn ein Blasinstrument über dem Mix kreischt und dem Ganzen eine verquere Richtung vorgibt. Dem stimmungsvollen Einstieg folgt ein intensiver, schillernder Drone-Track, der die Spookiness in Entspannung aufzulösen vermag, bevor er einen zunehmend bedrohlichen Unterton gewinnt. So geht es weiter, durch Berg und Tal, links und rechts, seitwärts, querwärts und wärtswärts durch die Köpfe zweier brillanter Düsterlinge. Reto Mäder und Mike Reber beweisen mit ihrem Projekt Pendulum Nisum, dass sie nicht nur geschickt Feldaufnahmen collagieren, Instrumente verfremden und die unterschiedlichen Soundschichten in perfekter Synthese arrangieren können. Sie zeigen auch ein Gespür für das Album als Gesamtkunstwerk. Die acht Tracks kriechen langsam vor sich hin, bewahren aber jederzeit eine Spannung, die an den Nerven knabbert. Die beiden haben ein Album geschaffen, das zu manipulieren weiß, das sich unaufhörlich seinen Weg durch das neuronale Netz bahnt und ein klaustrophobisches Gefühl hinterlässt.

 

Ähnlich gelungen und noch abwechslungsreicher klingt dann Ural Umbos neues Album Delusion Of Hope. Im Vergleich zum Vorgängeralbum Fog Tapes hat die Band zwar an ihrem Stil festgehalten, ihre Songs aber kompakter gestaltet. Das sorgt für eine sonische Dichte, wie sie auch bei Pendulum Nisum zu hören ist, jedoch fehlt jenen noch die Eingängigkeit, zu denen ein hypnotischer Track wie Ural Umbos Sych mit seinen tribalesken Drums fähig ist. Das soll nicht heißen, dass Delusion Of Hope seinem Titel nicht gerecht würde: Die verregnete Atmosphäre ähnelt der Pendulum Nisums stark, das fatalistisch-endzeitliche Doom-Feeling breitet sich sogar noch intensiver aus. Steven Hess, mit seiner Band Locrian in vielen Best-of-2011-Listen vertreten, und, ach was, der schon wieder, Reto Mäder wagen sich in die tiefsten Abgründe und fahren einen mächtigen Fuhrpark an Drones auf, die mit ihrer rhythmisch-repetitiven Sogwirkung beklemmende Emotionen auslösen. Dabei lassen sie Vielseitigkeit jedoch nicht vermissen. Die verträumten Ambient-Klänge von So Here I Live – Sorry stechen als kleiner Hoffnungsschimmer hervor und fügen sich nichtsdestotrotz in ein homogenes Album ein, das noch lange nach dem letzten Song nachwirkt.

 

Zwei Alben, die sich perfekt ergänzen. Zwei Alben, die nicht unbeachtet bleiben sollten, hantieren sie doch ebenso experimentierfreudig wie stilvoll mit den Registern diverser Genres, um einen jeweils ganz eigenen, einzigartigen Mix zu schaffen. Manipulation und Endzeit in Reinform, intelligente Komposition und schier unendlich sinistre Atmosphäre in extrem verdichteter Form – die Jahresrückblicke für 2011 sollten neu geschrieben werden, ohne Ural Umbo und Pendulum Nisum fehlt ihnen etwas.

 

 

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