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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 12:07

Toundra: (II) / Exxasens: Beyond The Universe

09.02.2012

Wüstenei und Wohnzimmerkosmos

Aloud Music Ltd stellt sich vor. Das spanische Label hat bereits einige Veröffentlichungen zu verbuchen und gibt nun mit Exxasens' Eleven Miles und Toundras (II) Einblicke in die iberische Post-Rock-Szene. Von KRISTOFFER CORNILS

 

Bei Toundra könnten Szeneconnaisseuren die Ohren aufblühen. Das Quartett aus Madrid hatte bereits 2008 ein Album veröffentlicht und auch der Nachfolger aus dem Jahr 2010 – in Deutschland von Narshardaa Records herausgebracht – sorgte für allerhand Achtungserfolge. Wer nun neuen Input erwartet, der wird allerdings enttäuscht – bei (II) handelt es sich um eben diese zweite Platte, die von Aloud Music Ltd neu aufgelegt wird. Obwohl auch Toundra nicht frei davon sind, sich im Standardrepertoire des Post-Rock-Genres zu bewegen, muss man ihnen zugestehen, dass sie ihre Lektionen gelernt haben. Die Rhythmussektion verteilt knochentrockene Rundumschläge, in deren Rückenwind sich die Gitarrensektion austoben kann. Resultat sind sieben Songs, die ebenso solide performt wie durchdacht präsentiert werden. Statt pathosgeladener Stimmungsplacebos gibt es schwermetallische Riffs zu hören, die fast schon Stoner-Qualitäten haben und ihre Hörerschaft beim Genick packen, um sie in eine verdorrte Wüstenei zu schleifen. Stimmungsvoll, abwechslungsreich und gut inszeniert – eine Neuauflage, die sich lohnt. Zumal die erste bereits lange vergriffen ist.

 

Weniger bodenständig gibt sich Exxasens, die Kopfgeburt von Jordi Ruiz. Der nimmt von seinem zum Heimstudio umgebauten Wohnzimmer Kurs auf kosmische Sphären und lässt dabei kein Fettnäpfchen aus: Synthetische Streicher treffen auf kaum noch zählbare Gitarrenspuren und fette Keyboardflächen, die von einem einfallslosen Drumming nach vorn katapultiert werden. Obwohl und gerade weil Ruiz einen ganzen Fuhrpark an Instrumenten und Sounds zu Gehör bringt: Seine Kompositionen klingen überladen, steril und zünden nicht im Vorderhirn. Zum einen hat Eleven Miles nichts von einem organisch gewachsenen Album. Das ist nur klar, hält man sich vor Augen, dass hier ein einzelner Künstler am Werk ist – es stört aber enorm. Der Büchsencharakter des Albums wird durch die effekthaschenden Songstrukturen verstärkt. Die rackern sich zwar weniger am Altbekannten ab als es bei den Labelmates Toundra, wirken aber entweder völlig wahllos oder zeugen von schlechtem Timing. Interessant könnte es allerdings werden, Ruiz mit seinem Exxasens-Projekt live zu sehen, eine Tour ist bereits angekündigt. Verstärkt von vier weiteren Personen könnte sich jedenfalls der erhoffte Bombast realisieren, der im Wohnzimmerkosmos viel zu fad klingt.

 



 

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