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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 12:12

Oren Ambarchi: Audience Of One

16.02.2012

Alltag raus, Bassfrequenzen rein

So ein Subwoofer ist ein schönes Hilfsmittel. Entweder erleichtert es mit dem korrekten Timing, den tiefer gelegten VW Golf über Bremshügel zu katapultieren, um fix zur nächsten Zeltdisko zu gelangen. Oder aber er sorgt dafür, dass man Oren Ambarchis neuestes Album Audience Of One voll und ganz genießen kann. Von KRISTOFFER CORNILS

 

So ein Subwoofer ist ein schönes Hilfsmittel. Entweder erleichtert es mit dem korrekten Timing, den tiefer gelegten VW Golf über Bremshügel zu katapultieren, um fix zur nächsten Zeltdisko zu gelangen. Oder aber er sorgt dafür, dass man Oren Ambarchis neuestes Album Audience Of One voll und ganz genießen kann. Von KRISTOFFER CORNILS

Es geht sogar das Gerücht herum, dass Stephen O’Malley – der mit seiner Band Sunn O))) schon seit Jahren die Dezibellimits zu knacken versucht – auf einer Party einen Ambarchi auflegte – und die Bassfrequenzen einen Feueralarm auslösten. Die Feier wurde evakuiert und der australische Gitarrist am nächsten Tag als Teilzeitmitglied der Drone/Doom-Kapelle engagiert. Vor diesem Hintergrund betrachtet mag Audience Of One ziemlich handzahm wirken. Der Opener Salt hat mit fünfeinhalb Minuten zwar etwas Überlänge, aber eigentlich – ja, eigentlich ist das Pop-Song. Ein wunderschöner, ruhiger Track, auf dem Paul Duncan eine bittersüße Melodie singt. Hätte sich Bon Ivers Justin Vernon weniger Dauerwerbesendungen zum musikalischen Vorbild genommen, er könnte so klingen. Er tut es aber nicht, so kann es nur klingen, wenn Oren Ambarchi sich entscheidet, sich an eingängigeren Strukturen versucht. Chapeau!


Nach dem entspannten, melancholischen Einstieg kommt es jedoch wieder anders. Knots kommt mit einem zittrig-jazzigen Schlagzeug daher, Joe Talia rührt auf seinen Becken ein nervöses Fluidum an. Das hält sich eine ganze halbe Stunde, verliert sich krautig-psychedelisch, baut sich auf, natürlich immer begleitet von den Basstönen, die Ambarchi losschickt und die durch Mark und Bein gehen. In welche Richtung das gehen soll, bleibt lange nicht klar. Und der glitchige Ausgang, das Trommelfeuer von Störgeräuschen, mag so recht keinen adäquaten Abschluss bilden, zumal es von seinem technoiden Charakter dem fast okkultischen Vibe des ganzen Stücks etwas entgegenläuft.

 

Eine Synthese aus dem poppigen, songorientierten Opener und dem Free Rock des Herzstücks der Platte bilden dann wieder die beiden letzten Tracks. Auf Passage setzt Ambarchi Sound auf Sound, digitales neben analoges, eine warme Hammondorgel neben die markante Stimme von Jessika Kenney, dahintröpfelnde Gitarrenimprovisationen und einige vereinzelte Klavierakkorde. So wahllos das klingt, es geht perfekt auf. Der Track hat eine wohlige Gänsehautqualität, die nach den psychedelischen Tönen recht unerwartet kommt. Fractured Mirror näht sich an diesen außergewöhnlichen Soundteppich mit einer Selbstverständlichkeit an, dass es umso überraschender kommt, dass es sich dabei um ein Cover handelt. Und zwar von Ace Frehley. Ja, der Typ von KISS. Verrückt? Irgendwie nicht, irgendwie gar nicht. Vor allem bekommt das Stück seine ganz eigene Note, spätestens natürlich, wenn der Bass einsetzt. Und da ist ein vernünftiger Subwoofer gefragt, um dem klanglichen Erlebnis überhaupt beizukommen. Alltag raus, Bassfrequenzen rein. Während die verschiedenen Gitarrenparts sich zu einem komplexen Ganzen verzahnen, verleiht die mächtigen, tiefen Töne dem Stück die Stimme von Ambarchi.


So heterogen Audience Of One auch ist mit seinem poppigen Auftakt, der ausgedehnten Freakshow von Improvisation und seinen zwei komplexen Endstücken – es wird zusammengehalten von der einzigartigen Signatur Ambarchis, dem warmen und angenehmen Basssound, für den es sich lohnt, die Anlage voll aufzudrehen. Wie sich auch dieses Album dringend lohnt, gehört zu werden. Zum sonntäglichen Frühstück, nachts zum Einschlafen, während der Arbeit, in der Bahn – Hauptsache, die wohligen Klänge finden ihre Audience Of One.

 



 

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