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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 12:13

Motorpsycho & Ståle Storløkken: The Death Defying Unicorn

16.02.2012

Nicht nur gut, auch noch schön!

Ähnlich fabelhaft und edel wie das letzte Einhorn im Märchenwald sind Motorpsycho seit Jahren die verlässliche Instanz für sagenhaft gute Musik. Nur eben real, wirklich und unverschämt cool! Von DAVID EISERT

 

Es kann einem schon Angst und Bange werden, ob der Vielfältigkeit, Kreativität und Veröffentlichungsfreude des Trios aus Norwegen. Allein die Anschaffung aller EPs der Bandgeschichte, nimmt ein paar handbreit Stellfläche im Plattenschrank ein. Aber was hilft’s, der Stoff ist gut und immer irgendwie anders.

 

2012 ist es nichts weniger als eine Rockoper, die sich hinter der Aufschrift The Death Defying Unicorn verbirgt. Wer sich bei »Rockoper« und diesem Titel spontan abwendet und an schwülstigen Synthie-Bombast-Kitsch-Lullirock denkt, hat gewiss zu fest in seiner TSO Bettwäsche geschlafen. Denn wo Motorpsycho drauf steht, ist vor allem Klügeres und gänzlich Unkonventionelles zu erwarten. Zusätzlich prangt hier noch der Name Ståle Storløkken auf dem Cover. Auf den norwegische Jazzkeyborder Storløkken ist das hier vorliegende Werk gewissermaßen zurückzuführen. Vor gut zwei Jahren wurde er beauftragt, für das Molde International Jazzfestival ein Konzert zu entwickeln, dass das Trondheimer Jazzorchester zusammen mit den Trondheimer Psychedelic Rock Helden auf eine Bühne bringt. Da man sich kennt und schätzt, wurden die sprichwörtlichen Nägel mit Köpfen versehen und ein zweistündiges Instrumentalwerk ersonnen, dass um ein Streichoktett erweitert wurde. Soweit so gut. Nachdem der letzte Ton des besagten Konzerts verklungen ist, war den Beteiligten schnell klar, dass dieses Projekt so nicht enden kann. Die Musik war noch nicht fertig, der Prozess noch nicht abgeschlossen. Deshalb gingen Motorpsycho und Storløkken gemeinsam ins Studio, um die Songs zu überarbeiten und aufzunehmen.

 

Die Bilanz der Arbeit, 13 Stücke auf gut 90 Minuten Spielzeit und zwei Tonträger verteilt. Soviel zur Quantität. Die Klasse und Güte des Hörbaren lassen sich nicht simple in nackten Zahlen ausdrücken. Wir werden Zeuge einer musikalischen Erweckung. Der antike Progressiv Rock speiste sich aus Klassik, Oper und Jazz. Genau das tun die Musiker hier auch, aber ohne Rüschenhemd und Titelheld. Weitgehend Instrumental umgeht man die Hürde eines textlichen Konzepts mit Pseudo-Ariengesang. Heavy und Space Rock treten in den Kunst- und Musikakademiearsch. Elemente der Programmmusik und der Tonmalerei sind hier so selbstverständlich wie breitbeinig gespielte Riffs. Saxophone führen Dialoge, das Schlagzeug trommelt manische Beats und die Streicher spielen ein drei- oder vierfaches forte. Smetana und Prokofjew wären 2012 die hard Motorpsychofans, ohne Schmarrn. Der erste Teil des Werks ist deutlich mehr Rock der zweite Teil mehr Jazz. Folglich ein wenig sperriger, lautmalerischer und experimenteller. Je nach Laune und Tageszeit also erst A und dann B oder erst Bier und dann Weed oder umgekehrt. Motorpyscho ist es gelungen, das Wort »Rockoper« von allem Widerwärtigen zu befreien, ihm quasi seine Unschuld zurückzugeben und nebenbei das Highlight des musikalischen Jahres 2012 zu zünden.

 



 

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