Umgedreht bedeutet dies, dass auch nur der ehrlich vom Gas gehen kann, der bis zum Bodenblech durchzutreten vermag. Wino kann beides. Als Oberhaupt oder Teil von Bands wie The Obsessed, Saint Vitus, Spirit Caravan, Place Of Skull, The Hidden Hand, Premonition, Probot oder Shrinebuilder ließ und lässt der 50jährige Robert Scott Weinrich seine tiefer gestimmte Gitarre mächtig wabern. Doom, Stoner, Hardrock – Hauptsache slow, deep and hard. Dabei hinkt sein Erfolg stets seinem guten Ruf in der Szene hinterher.
Vom Schicksal hat er weiß Gott nicht die Rosen hinter her geworfen bekommen. Drogen, unfeine Scheidung, miese Businesspartner und sterbende Kollegen, all das macht das Leben nicht einfacher. Die Geschichten die dieses Leben schreibt sind aber umso echter. Unverstellt, nackt und ehrlich erzählt Wino als Solokünstler, nur mit seiner Akustikgitarre bedeckt, seine Geschichte. Nach Adrift aus dem Jahr 2010 folgt mit Heavy Kingdom sein zweiter Streich, der wieder mit der unwiderstehliche Mischung aus düsterem Blues, staubigem Country- und Folkelementen überzeugt. Vergleiche mit dem Spätwerk von Johnny Cash sind nicht ganz verwegen. Wobei Wino noch lange nicht der kalte Hauch eines Hospizes umweht. Sein Bike läuft auf allen Töpfen. Und mit Kollegen fährt es sich bekanntlich besser. Dies Platte ist in Zusammenarbeit mit Conny Ochs entstanden. Conny ist ein deutscher Singer / Songwriter aus dem Umfeld des geschmackssicheren deutschen Labels Exile On Mainstream, der Heimat von Wino. Gemeinsam tourten sie durch Europa und fanden in dieser Zeit eine musikalische und menschliche Basis, die sich in den Songs von Heavy Kingdom widerspiegelt. Da haben sich zwei soul mates gefunden, die mit reduzierten Mitteln eine intensive und gefühlvolle Atmosphäre erzeugen.
Absolute hörenswert und wohltuend weit entfernt von dem leidigen – aber erfolgreichen – »punk goes folk«-Geschraddel. Daher zwei als Befehl vorgetragene Wünsche: Kauft euch das Album, am besten auf Viny! Besucht die Tour!!