Eli Pariser: Filter Bubble Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero Aléa Torik: Das Geräusch des Werdens von Michael Ebmeyer Der FUTTERblog - streng verdaulich! Kathrin Hartmann: Wir müssen leider draußen bleiben
Mittwoch, 23. Mai 2012 | 12:14

Wino & Conny Ochs: Heavy Kingdom

16.02.2012

Excuse me from this world

Richtig schnell kann nur der fahren, der seine Bremsen zu benutzen weiß. Alte Speed Freak Weisheit. Von DAVID EISERT

 

Umgedreht bedeutet dies, dass auch nur der ehrlich vom Gas gehen kann, der bis zum Bodenblech durchzutreten vermag. Wino kann beides. Als Oberhaupt oder Teil von Bands wie The Obsessed, Saint Vitus, Spirit Caravan, Place Of Skull, The Hidden Hand, Premonition, Probot oder Shrinebuilder ließ und lässt der 50jährige Robert Scott Weinrich seine tiefer gestimmte Gitarre mächtig wabern. Doom, Stoner, Hardrock – Hauptsache slow, deep and hard. Dabei hinkt sein Erfolg stets seinem guten Ruf in der Szene hinterher.

 

Vom Schicksal hat er weiß Gott nicht die Rosen hinter her geworfen bekommen. Drogen, unfeine Scheidung, miese Businesspartner und sterbende Kollegen, all das macht das Leben nicht einfacher. Die Geschichten die dieses Leben schreibt sind aber umso echter. Unverstellt, nackt und ehrlich erzählt Wino als Solokünstler, nur mit seiner Akustikgitarre bedeckt, seine Geschichte. Nach Adrift aus dem Jahr 2010 folgt mit Heavy Kingdom sein zweiter Streich, der wieder mit der unwiderstehliche Mischung aus düsterem Blues, staubigem Country- und Folkelementen überzeugt. Vergleiche mit dem Spätwerk von Johnny Cash sind nicht ganz verwegen. Wobei Wino noch lange nicht der kalte Hauch eines Hospizes umweht. Sein Bike läuft auf allen Töpfen. Und mit Kollegen fährt es sich bekanntlich besser. Dies Platte ist in Zusammenarbeit mit Conny Ochs entstanden. Conny ist ein deutscher Singer / Songwriter aus dem Umfeld des geschmackssicheren deutschen Labels Exile On Mainstream, der Heimat von Wino. Gemeinsam tourten sie durch Europa und fanden in dieser Zeit eine musikalische und menschliche Basis, die sich in den Songs von Heavy Kingdom widerspiegelt. Da haben sich zwei soul mates gefunden, die mit reduzierten Mitteln eine intensive und gefühlvolle Atmosphäre erzeugen.

 

Absolute hörenswert und wohltuend weit entfernt von dem leidigen – aber erfolgreichen – »punk goes folk«-Geschraddel. Daher zwei als Befehl vorgetragene Wünsche: Kauft euch das Album, am besten auf Viny! Besucht die Tour!!

 



 

| kommentar schreiben

Name:
Kommentar:

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

»Scheißwald,
Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...