Die Macher des jungen Millaphon Labels bewiesen mit ihren bisherigen Veröffentlichungen (Keller Steff, Moop Mama) und der „Verpflichtung“ von Dobré ein sicheres Händchen und Geschmack. Alle Künstler schafften es, nicht nur gute Platten abzuliefern, sondern verfügen auch über eine ausgezeichnete Bühnenpräsenz. Der jüngste Millaphon-Coup fügt dem Labelkatalog eine neue Seite hinzu. Balloon Pilot (nicht zu verwechseln mit der Band Pilot Balloon) haben sich deutlich introvertierteren Klängen verschrieben. Die sanfte Stimme des Sängers und Songschreibers Matze Brustmann steht dabei bei aller Zurückhaltung stets im Mittelpunkt des Geschehens. Die Arrangements sind überwiegend bewusst reduziert gehalten und versprühen diese alles ausfüllende, angenehme Art von Melancholie, die es dem Hörer ermöglicht, die Geschwindigkeit der Welt für eine Albumlänge zu reduzieren und ganz in sich zu ruhen. Wer hat das in unseren Breitengraden seit Tobi Kuhn (dem ehemaligen Kopf der legendären Miles) als Monta so stimmig umgesetzt?
Das einzige, was sich Pilot Matze und seine Ballon-Mitfahrer als Kritik vielleicht anhören werden müssen: ihr Debüt transportiert nicht nur den Geist von Elliot Smith; stellenweise glaubt man gar Coverversionen oder gar bisher unveröffentlichtes Material von Smith selbst zu hören. Dass das Werk des Singer/Songwriters, das seit dessen viel zu frühem Tod ständig an Popularität gewinnt, ein wunderbarer Ausgangspunkt für musikalische Ballonfahrten ist, bleibt unbestritten. Bis zum nächsten Ausflug haben die Ballooner dann vielleicht die nötige Erfahrung gesammelt, um die eigene Identität noch mehr auszuprägen und sich einfach treiben zu lassen. Ach ja: auch Ballon Pilot erwiesen sich beim Millaphon-Labelfest am 10.Februar als überzeugende Live-Formation, teilweise lauter als erwartet.