Sting ist längst eine unverzichtbare Größe der Rockgeschichte, eine unverwechselbare Persönlichkeit. Wer hätte es geahnt, dass er, als er einst mit Police dem Punk zugerechnet wurde, einmal als einer der intelligentesten und erfindungsreichsten Repräsentanten eines diffizilen Art Rock figurieren würde. Auch auf seiner jüngsten CD
Sacred Love kann er seinen schier unerschöpflichen Reichtum an Ideen unter Beweis stellen, seine musikalische Experimentierfreude und seine Klischeefeindlichkeit. Denn Stings Songs gehen niemals ausgetretene Wege, schielen aber auch nicht auf die Anerkennung einer begrenzten In-Group. Sting bleibt ein Musiker für ein Massenpublikum, das sich weit offener auf Abenteuer einlässt, als der alltägliche Schmarren suggerieren mag.
Sting besticht ja nicht eben durch eine „große Stimme“. Es sind vor allem die klugen Arrangements, die bei seinen Songs aufhorchen lassen, sowie die Vorliebe für komplexe, vorwärtsdrängende Rhythmen und jazzige Exkurse wie etwa das Pianosolo in
Never Coming Home oder die Introduktion der Hammond Orgel in
This War, die an Brian Auger erinnert.
In diesem Kontext kann man nicht sicher sein, ob der Disco-Remix von
Send Your Love ernst gemeint oder eine Parodie ist. Danach gibt es zum Tost jedenfalls eine Liveaufnahme von
Shape Of My Heart, die Sting in seiner besten Form präsentiert, als lyrischen Balladensänger.
Thomas Rothschild
Sting:
Sacred Love. A&M 0602498097335