Van Morrison: Whats Wrong With This Picture?
13.02.2004
Van Morrison goes Jazz
Van Morrison auf Blue Note? Richtig: der große kleine Sänger, der Rockgeschichte geschrieben hat, macht einen Ausflug in den Jazz. Und wer, mit guten Gründen, Van Morrison, der ja schon immer eine Affinität nicht nur zur irischen Folklore, sondern ebenso zum Blues hatte, für einen der Größten hält, wird zu dem Schluss kommen, dass nichts falsch ist an der CD mit dem Titel What’s Wrong With This Picture? Über das eine oder andere Arrangement – etwa im Titelsong - mag man streiten.
Jazzig in einem engen Verständnis sind nicht alle Titel der CD. Nur drei von den insgesamt dreizehn hat Morrison nicht selbst komponiert. Er hat sich den (sechzehntaktigen!) Saint James Infirmary Blues, eines der schönsten Traditionals der frühen Jazzgeschichte, auf den Leib arrangiert, er hat einem Song von „Lightnin“ Hopkins ein paar Verse angefügt, und er hat zu Somerset von David Collett und Acker Bilk einen Text geschrieben. Mr. Acker Bilk? Richtig, das war mal der populäre Konkurrent von Chris Barber. Und er spielt auch hier, bei Van Morrison, die Klarinette. Jugenderinnerungen…
Whinin Boy Moan markiert die Stelle, an der sich Jazz und Rock’n’Roll berühren. Lateinamerikanisch kommen Evening In June und Get on With The Show daher. Wer einen „typischen“ Van Morrison sucht, findet ihn in dem herrlichen once In A Blue Moon und auch in Little Village, das an Kris Kristoffersens Me And Bobby McGhee erinnert. Und wie er seine eigene Rolle einschätzt, erzählt uns Van Morrison in Goldfish Bowl. „I don’t have no hit record/ I don’t have no TV show.“ Hey, Tom Schroeder, wie wär’s, wenn der SWR ein bisschen sparte, damit Du Van Morrison nächstes Jahr zum Blues Festival nach Lahnstein einladen kannst?
Thomas Rothschild
Van Morrison: What’s Wrong With This Picture? Blue Note 93651