Vince Benedetti meets Diana Krall: Heartdrops
13.02.2004
Stimme plus Posaune
Diana Krall gehört zu den erfolgreichsten Jazzsängerinnen des vergangenen Jahrzehnts. Sie ist gerne gesehener Gast auf den Festivals dieser Welt und hat ihre Anhängerschaft weit über den Kreis der puristischen Kenner hinaus.
Der Schweizer Jazzer Vince Benedetti begegnete der damals noch unbekannten Sängerin per Zufall, als er 1988 als Taxifahrer Geld verdiente und sie befördern sollte. Man kam ins Gespräch und bald darauf musizierte man zusammen auf einer Tournee. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit wurde auch aufgezeichnet, aber nicht publiziert. Jetzt, viele Jahre danach, kommt die CD in den Handel, und sie erweist sich als eine Entdeckung. Diana Kralls Gesang ist wenig sensationell, eher “straight”, aber präzise und hochmusikalisch. Der eigentliche Reiz besteht in der kongenialen Korrespondenz mit der hervorragenden Band, mit Vince Benedetti, der die meisten Titel geschrieben hat, an Posaune und Synthesizer, Martien Oster an der Gitarre, Christoph Sprenger am Bass und Alberto Canonico am Schlagzeug. Diana Krall selbst spielt auch noch das Klavier.
Im übrigen macht diese CD einen bedenkenswerten Umstand des Jazz auf Konserven bewusst: von zwei Titeln, von denen einer aus der Feder des omnipräsenten Schweizer Jazzmusikers Isla Eckinger stammt, gibt es auf der CD je zwei Versionen: Die ersten dauern mehr als sechs respektive fünf Minuten, die zweiten, als “radio/short version” ausgewiesen, keine dreieinhalb Minuten. Will sagen: im Radio haben Titel, bei denen sich Musiker richtig ausspielen, in denen sie ihr Material entwickeln können, kaum eine Chance. Der längste auf dieser CD dauert zehn Minuten zwanzig Sekunden. Für die schwachsinnigen Verantwortlichen der Rundfunkanstalten also sieben Minuten zu lang. Soll man noch klagen? Diese öffentlich-rechtlichen Funktionäre sind ebenso unbelehrbar wie einst die Parteifunktionäre in der DDR. Wir sind ihnen zum Glück nicht ausgeliefert. Es gibt CD-Player. Aber wofür wir eigentlich Rundfunkgebühren zahlen, sollten wir uns zumindest in den eingesparten sieben Minuten fragen
Thomas Rothschild
Vince Benedetti meets Diana Krall: Heartdrops. TCB 22182