Eli Pariser: Filter Bubble Hans Arthur Marsiske: Kriegsmaschinen Hommage zum 80. Geburtstag von Fernando Botero Kathrin Hartmann: Wir müssen leider draußen bleiben Joy As A Toy: Dead As A Dodo Kennzeichen T - 28.04.2012
Mittwoch, 23. Mai 2012 | 12:29

 

Zdenek Merta: Casanova

16.04.2004

 
Casanova in Prag

Die neunzehn Titel der CD zeichnen sich durch große Vielfalt aus und durch eine musikalische Dramatik aus, die auch jenen ein Vergnügen garantiert, denen die Bühnenshow nun für immer unzugänglich bleibt.

 

1958, ursprünglich für den tschechischen Pavillon bei der Brüsseler Weltausstellung, haben Prager eine Spielart des Entertainment erfunden, die sich bis heute als Publikumsrenner bei Touristen erweist, weil sie den Vorzug hat, keine Sprachkenntnisse zu erfordern. Wer versteht schließlich Tschechisch? Die Laterna magika, früher beim Theater am Turm, ganz nah vom Wenzelsplatz, jetzt in einem scheußlichen Neubau gleich neben dem Nationaltheater beheimatet, bietet in einer zuvor unbekannten Mischung aus Film und Theater Varietéprogramme, die von der Faszination profitieren, die genau auf einander abgestimmte projizierte „Konserven“ und live vorgeführte Szenen und Choreographien ausüben.

Im Jahr 1995 produzierte die Laterna magika ein Programm über Casanova. Was hat Casanova in Prag zu suchen? Was wenig bekannt ist: der legendäre Liebhaber und Memoirenschreiber ist in Böhmen, auf Schloss Duchcov, einsam und vergessen, gestorben. Das Buch zu der Show schrieb der bedeutende Filmregisseur Juraj Jakubisko, der sie auch inszenierte, das Bühnenbild stammte vom wichtigsten tschechischen Bühnenbildner Josef Svoboda, dem Mitbegründer und langjährigen Leiter der Laterna magika.

Zu diesem Spektakel schrieb Zdenek Merta die Musik. Merta ist ein erfahrener Film-, Fernseh- und Theaterkomponist, er hat auch Musicals, Ballette, Lieder und symphonische Werke geschrieben, zur Zeit arbeitet er an einer Opere, die nächstes Jahr Premiere haben wird. Für Casanova hat er sich aus verschiedenen Quellen inspirieren lassen. Man erkennt Tarantellen und andere populäre italienische Tänze, böhmische Volksmusik, auch Carl Orff klingt – in einem Dies irae – von ferne an, und am Schluss dringen die jazzigen Töne eines Cabarets herein. Merta ist kein Neutöner. Er schwelgt in Melodien. Und die Instrumentierungen verraten den effektbewussten Profi. Seine funktionale Komposition ist Unterhaltungsmusik im besten Sinn des Wortes und ein weiterer Beweis dafür, dass es Alternativen zu den Einheitsprodukten der Major Copanies gibt. Insgesamt zeichnen sich die neunzehn Titel, die eine CD dokumentiert, durch große Vielfalt aus und durch eine musikalische Dramatik, die auch jenen ein Vergnügen garantiert, denen die Bühnenshow nun für immer unzugänglich bleibt. Denn gerade das Prinzip der Laterna magika ist nicht konservierbar. Ohne das Hier und Jetzt der Bühnenaktion verliert es seine Existenzberechtigung. Die Musik aber lässt sich reproduzieren. Stanley Kubrick hat für seinen Barry Lyndon, Ariane Mnouchkine hat für ihren Molière vorgefundene Musik verwendet und bearbeiten lassen (was den Kinobesucher erfreuen mag, die zeitgenössischen Komponisten aber brotlos macht). Wer jedoch die Verwendung der Musik in diesen beiden Filmen goutierte, sollte auch an Mertas Casanova seine Freude haben. In den Handel ist die CD nicht gekommen, man kann sie aber beziehen über die Laterna magika, Liliová 9, CR-110 00 Praha 1; info@laterna.cz.

Thomas Rothschild


Zdenek Merta: Casanova. Zu beziehen über die Laterna magika, Liliová 9, CR-110 00 Praha 1; info@laterna.cz

Götter verstehen keinen Spaß

Wenn Shakespeare sich in der griechischen Mythologie bedient und den blindes Seher Tiresias zum Helden eines seiner Stücke gemacht hätte, der Inhalt hätte durchaus so aussehen ...

»Die Wahrheit ist ein scheues Kind ...«

Mit dem Roman Tannöd begann 2006 die erstaunliche Karriere der Andrea Maria Schenkel. Der Nachfolger, Kalteis (2007), bewegte sich noch ganz im Dunstkreis des erfolgreichen ...

Verstaubt ohne Ende

Bullenklatschen ist ein irreführender Titel, aber er provoziert – das ließe sich genauso über den Film sagen. Provozierend das Personal: eine Anarcho-Fete. Jedenfalls ...

No sleep till Pixel

Auf einem gewissen Panel der diesjährigen re:publica lief RUDOLF INDERST dem Berliner Dennis Liebzeit ...

Gegen die Dominanz des Beliebten

Nach Amazon (1997) und Google (2004) geht nun mit Facebook das dritte Internet-Schwergewicht an die Börse. Häufig liegen die drei Unternehmen mit der Entwicklung neuer Techniken ...

»Scheißwald,
Scheißnatur, ey!«

Leicht grenzwertig diesmal, möchte man meinen. Setzt das gewöhnliche Schema von Mord, Aufklärung, Festnahme etwa Schimmel an? Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) geht dem Hinweis auf ...