Werner Lämmerhirt: Heimspiel
13.02.2004
Für Freunde
Es gibt sie noch, die Gitarrenszene jenseits von Rock und Jazz. In den sechziger und siebziger Jahren hatte sie ihre Blüte, die Zahl der Talente inmitten noch viel mehr mittelmäßiger Nachahmer war gewaltig. Mit Fleiß und Neugier studierte man die Techniken amerikanischer Vorbilder, das Fingerpicking, den Talking Blues. Mal mit Texten, mal instrumental solo oder in kleiner Formation erfreute man eine treue Gemeinde in den Jugendclubs, die selbst in der viel gescholtenen Provinz für eine Alternativkultur zum bürgerlichen Vorzeigebetrieb sorgten.
Heute haben diese Gitarristen kaum mehr Auftrittsmöglichkeiten. Sie teilen das Schicksal jener “Kleinkünstler”, die nicht in den Mainstream der Plattenindustrie und der Rundfunkprogramme passen. Schade drum. Kein Wunder, dass manche aufgegeben haben und in unmusische bürgerliche Berufe abgewandert sind. Man muss ja auch seine Miete bezahlen.
Zu den beliebten Gitarristen jener Jahre gehörte Werner Lämmerhirt. Jetzt legt er eine neue CD vor, die beweist, dass er seine Virtuosität nicht eingebüßt hat. Lämmerhirt ist kein großer Dichter. Seine Texte erzählen von alltäglichen Ereignissen und Situationen, schlicht, aber mit einem Gefühl für singbare Sprache. Für sein Heimspiel hat er ein paar Berliner Freunde um sich geschart, und wer noch Ohren hat zu hören, wer leise Töne zu schätzen weiß, wird an dieser CD seine Freude haben. Volksliedhafte Melodien, mal tänzerisch fröhlich, mal eher melancholisch, ziehen die Intimität dem lärmenden Gedröhne in Stadien und Sporthallen vor. Wozu sind denn Freunde da heißt ein Lied. Der Titel signalisiert den Charakter von Lämmerhirts Musik und Poesie. Es geht auch anders, aber so geht es auch.
Thomas Rothschild
Werner Lämmerhirt: Heimspiel. DMG 54.218024.2 (www.toca-records.de)