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Mittwoch, 23. Mai 2012 | 12:34

 

Larry Coryell/Badi Assad/John Abercrombie: Three Guitars.

14.02.2004

 




Der Virtuose



 

Die Haare sind inzwischen kürzer geworden und weiß. Aber Larry Coryell ist immer noch einer der erfindungsreichsten Gitarristen zwischen Jazz und Rock. Technisch können ohnedies nur einige wenige mit ihm konkurrieren. Aber auch musikalisch gehen ihm die Ideen nicht aus. Er plagiiert sich nicht selbst, auch seine eigenen Kompositionen erfindet er immer wieder neu.

Zu Coryells Stärken seit den Tagen mit Eleventh House gehört, dass er Musiker zu Ensembles um sich schart, die ihn fordern und inspirieren. Zum Beispiel den Kollegen John Abercrombie und die brasilianische Gitarristin, Sängerin und Perkussionistin Badi Assad oder den Bassisten Mark Egan und den Schlagzeuger Paul Wertico. Das Gitarrentrio hat sich dem weiblichen Gast angepasst und die lateinamerikanische Anregung aufgenommen. Mit Bass und Schlagzeug gibt sich Coryell rockiger, wenn er auch auf Jazzstandards zurückgreift wie Thelonious Monks unverwüstliche Round Midnight und Well You Needn’t. Bei Lennon und McCartneys She’s Leaving Home hingegen wird er wieder ganz leise und lyrisch.

Larry Coryell fühlt sich mit der elektrischen Gitarre ebenso wohl wie mit der Konzertgitarre. Mal überschlägt er sich in rasanten Läufen, dann sinnt er wieder einzelnen Akkorden nach. Bedenkt man, wie bekannt er einmal war, ist es eigentlich erstaunlich, dass er mittlerweile fast zu einem Geheimtipp geworden ist. Aber er ist nicht der einzige aus seiner Generation, dem es so ergeht.

Einen einzigen Einwand müssen wir hier äußern: Tricycles, die CD mit Egan und Wertico, ist leider aufnahmetechnisch nicht auf dem Niveau, das man heutzutage erwarten darf. Der dumpfe Klang, der Mangel an Höhen nimmt dem Gitarrenspiel einiges von seinem Reiz. Schade drum.

Thomas Rothschild


Larry Coryell/Badi Assad/John Abercrombie: Three Guitars. Chesky JD248 (Vertrieb: in-akustik)
Larry Coryell: Tricycles. In + Out IOR 77057-2 (Vertrieb: in-akustik)

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