onophon: Glottisstopp
20.05.2004
Sprechmusik
Seit 2001 übertragen onophon in äußerster Präzision Verfahren der Minimal Music auf die Sprache.
Das Wiener Duo onophon besteht aus Rainer Deutner und Werner Nowacek. Seit 2001 übertragen die zwei in äußerster Präzision Verfahren der Minimal Music auf die Sprache. Repetition, Verschiebungen, Permutationen – hier findet eine Synthese statt aus Steve Reich, Phil Glass, Terry Riley und Ernst Jandl oder Gerhard Rühm mit einheimischen Überlieferungen, die so ähnlich lauten wie: „Drunt’ in der grean’ Au steht a Birnbaum bleahblau, bleahblau…“ Auch der Dadaismus mag einem einfallen, die „transmentale Sprache“ des russischen Futurismus und die reiche Tradition sprachspielerischer Kinder- und Nonsensverse.
Das ist von einer faszinierenden Spannung, die eine CD leider nur behelfsmäßig vermitteln kann. Denn gerade die Präzision überzeugt dort am stärksten, wo jede Manipulationsmöglichkeit augenfällig ausgeschlossen bleibt, beim Live-Auftritt. Dennoch: wie sich sprachlicher Minimalismus in Rhythmus umsetzt, in fugen- und kanonähnliche Strukturen, wie die beiden Stimmen Reibungen erzeugen und Irritationen, die einer akustischen Täuschung nahe kommen, bleibt auch beim technischen Medium ein Abenteuer. Man höre sich etwa an, wie bei der scheinbar endlosen Wiederholung des Worts „kette“ mal „Decke“ oder sogar „dicke Decke“, mal „Gedeck“, wohl auch „Gitte“ und eben „Kette“ zu vernehmen ist.
Thomas Rothschild
onophon: Glottisstopp. proton@onophon.org