Zupfgeigenhansel: miteinander
04.06.2004
Revival des Revivals
Die Aufnahmen von Friz und Schmeckenbecher sind immer noch hörenswert. Lehrreich und vergnüglich zugleich.
Als man im Gefolge der Studentenbewegung von 1968 das deutsche Volkslied neu entdeckte, als man – nach den Pionierarbeiten von Steinitz in der DDR – seine verschüttete demokratische Tradition ausgrub, von einem missbrauchten Heimatverständnis säuberte und neu vortrug, gehörte das Duo Zupfgeigenhansel neben Peter Rohland, Hein und Oss Kröher oder Hannes Wader zu den beliebtesten Interpreten. Zupfgeigenhansel: hinter diesem Namen eines vor dem Weltkrieg weit verbreiteten Liederbuchs verbargen sich Thomas Friz und Erich Schmeckenbecher. Sie führten vor, wie leicht und pathosfrei deutsche Volksmusik daher kommen kann. Sie scheuten in ihren Arrangements nicht vor Anleihen bei der damals populären amerikanischen Folklore zurück. Mit der Ästhetik des Musikantenstadels hat das so viel zu tun wie eine Antikriegsdemo mit einem Fronleichnamsumzug.
Jetzt hat der pläne Verlag eine der LPs von Zupfgeigenhansel aus dem Jahre 1982 als CD wieder veröffentlicht. Sie enthält alte Volkslieder, original und bearbeitet, eigene Lieder im Stil überlieferter Folklore und neue Lieder, etwa von Dieter Süverkrüp, die sich dieser Tradition verbunden fühlen. Sie zeigen, dass, wo Unrecht war, auch gekämpft wurde gegen das Unrecht. Oder zumindest angesungen. Wo sind heute die Lieder gegen Folter, Krieg und Ausbeutung? Die Aufnahmen von Friz und Schmeckenbecher sind immer noch hörenswert. Lehrreich und vergnüglich zugleich.
Thomas Rothschild
Zupfgeigenhansel: miteinander. pläne 88901