Patti Scialfa gehört zur privaten und zur musikalischen Umwelt von Bruce Springsteen, der seinerseits einst als ein neuer Bob Dylan lanciert wurde und diesen mittlerweile längst an Popularität eingeholt hat. Als eigenständige Rocklady freilich verdankt Patti Scialfa anderen Vorbildern, etwa Lou Reed und Velvet Underground, nicht weniger als Springsteen. Was sie auf ihrer neuen CD
23rd Street Lullaby zu bieten hat, ist Großstadtrock der ersten Qualität. Als Sängerin könnte man Patti Scialfa, ihre trockene, zurückgenommene Stimme irgendwo zwischen Patti Smith und Cindy Lauper lokalisieren. Als Songwriterin zeichnet sie sich durch Vielfalt aus, durch eine Vorliebe für satte Melodien und eher langsame Tempi.
Die Namen derer, die ihr für diese CD zur Seite standen, lesen sich wie ein Who’s who der Rockgeschichte: der Produzent von Keith Richards Steve Jordan sowie die Gitarristen Nils Lofgren und Marc Ribot gehören dazu. Wenn immer wieder und nicht ohne Grund von der Krise oder gar vom Ende des Rock die Rede ist, so liefern CDs wie die von Patti Scialfa Gegenargumente und machen Hoffnung – kurioserweise gerade durch ihre eher konservative, fast museale Ehrfurcht, mit der sie die Tradition dieser Musik fortsetzen.
Thomas Rothschild
Interview mit Patti Scialfa
Weitere Infos:
www.pattiscialfa.net
Patti Scialfa: 23rd Street Lullaby.
Columbia SAMPCD 14181 2