Berndt Luef: Sky Dance & Trialogue
14.07.2004
Meister des Vibraphons
Die Universität für Musik und darstellende Kunst in Graz hat Pionierarbeit geleistet in der Lehre und damit für die Anerkennung des Jazz. Nicht zuletzt ihr ist es zu verdanken, dass die steirische Hauptstadt schon lange, ehe sie sich etwas pompös als europäische Kulturhauptstadt präsentierte, zu einem Zentrum des Jazz wurde, der – das sollte man nicht vergessen – vor gar nicht so langer Zeit nicht so recht ernst genommen wurde. Zum Kernbestand der Grazer Jazzszene gehört der Vibraphonist Berndt Luef, ein Virtuose seines Instruments, das seit Lionel Hampton und Milt Jackson vielfältige Möglichkeiten entwickelt und dessen faszinierender Klang dem Jazz mehr als der „Klassik“ oder der Popmusik eine unverwechselbare Note hinzugefügt hat.
Auf den beiden hier vorgestellten CDs ist Berndt Luef einmal in Triobesetzung und einmal mit zehn wechselnden, von Bläsern dominierten Musikern zu hören (wobei auch die Jazztett-CD ein bei einer Probe mitgeschnittenes Triostück enthält). Dass die Suite Revilo Oliver Nelson gewidmet ist, verrät die Big Band-Konzeption, die Luef, der Komponist sämtlicher Titel, wohl im Hinterkopf hatte.
Mit Thorsten Zimmermann am Kontrabass und Dusan Novakov am Schlagzeug steht Luef sowohl im Trio wie im Jazztett eine hervorragende Rhythmusgruppe zur Seite. Von Zimmermanns Erfindungsreichtum kann man sich etwa in Running In The Rain oder im Titelstück Sky Dance überzeugen. In Barcos Rabelos wiederum wird Novakov gefeatured. Eigentlich ist es ungenau, bei der Trio-CD von einer Rhythmusgruppe zu sprechen, denn es handelt sich vorwiegend um drei gleichberechtigte Partner, die da zusammenspielen. In The Sylph kommt noch, als Gast, an Congas Ismael Barrios hinzu.
Beim Vibraphon lenkt die Technik, die Geläufigkeit oft die Aufmerksamkeit auf sich. Der Zirkustrick scheint nicht allzu entfernt. Dabei wird die musikalische Dimension gelegentlich unterschätzt. Berndt Luef ist nicht bloß Virtuose, er ist auch und in erster Linie ein begnadeter Musiker, und so erfreuen seine CDs durch Abwechslungsreichtum und den Verzicht auf Redundanz. Das schönste Stück auf der Jazztett-CD ist von bulgarischer Folklore inspiriert: Serdica. Und Paso Kustur hat Luef seinen beiden Lieblingsfilmregisseuren gewidmet: Pasolini und Kusturica. Keine schlechte Wahl, und von Graz aus eine Verneigung in die beiden nahen Nachbarländer im Süden. Die Komposition erinnert übrigens an Gianluigi Trovesis gestische Musik.
Thomas Rothschild
Berndt Luef Trio: Sky Dance. Extraplatte EX 494-2
Berndt Luef & Jazztett Forum Graz: Trialogue. Extraplatte EX 594-2