Maria Muldaur: A Woman Alone with the Blues
14.02.2004
Vielleicht die CD des Jahres?
Alle reden von Norah Jones. Der vampirische Markt verlangt nach jungem Blut. Und was ist mit Maria Muldaur? Sie hat schon vor Jahren mit dem Wissen der Rockgeschichte die Standards der Swingära wiederentdeckt. Ihre neue CD widmet sie dem Andenken von Peggy Lee. Die war in der Tat eine Sängerin, derer zu gedenken sich lohnt, und Maria Muldaur ist eine, die dafür das Zeug hat.
Es beginnt mit jenem Song, der sogar Elvis Presley zu einer ganz ungewöhnlichen Interpretation verleitete: Fever. Maria Muldaur - begleitet von einer vorzüglichen Band - singt ihn noch ein weniger jazziger als einst Peggy Lee. Und im folgenden löst sie mit jedem Song ein, was der Titel der CD verspricht: A Woman Alone with the Blues (wobei man "Blues" nicht zu eng verstehen sollte). Wie herrlich, wie melancholisch und lasziv zugleich, wie hochmusikalisch! Dass der Blues meist einen frivolen Subtext hat - wer wollte daran zweifeln, wenn er Maria Muldaurs Begegnung mit dem Repertoire von Peggy Lee lauscht. Was für eine köstliche Stimme, ein wenig altmodisch und doch ganz gegenwärtig, wie faul in einen Lehnstuhl hingelümmelt, ganz auf die Melodieführung, nicht auf Kraft vertrauend. Und diese Dialoge mit den Instrumentalsolisten: Moments Like This lassen einen die Übel der Welt vergessen.
Dann sind die zwölf Titel vorüber, und man hat nicht bemerkt, dass die Zeit verfließt. Von solcher Musik hätte man gern mehr. Also noch mal von vorn.
Man merkt: ich gerate ins Schwärmen. Wer sagte da Norah Jones?
Thomas Rothschild
Maria Muldaur: A Woman Alone with the Blues. Telarc CD-83568 (Vertrieb: in-akustik)