Peter Androsch: Sammlung²
25.08.2004
Perkussion
Perkussion spielt nicht nur im Jazz und in der außereuropäischen Musik eine bedeutende Rolle, sondern auch in der zeitgenössischen europäischen Musik.
Die sehr europäischen Amerikaner Edgard Varèse und Steve Reich haben dafür Pionierarbeit geleistet. Auch der österreichische Komponist Peter Androsch, Jahrgang 1963, hat sich mehrfach mit den Möglichkeiten von Schlaginstrumenten auseinandergesetzt. Eine schmale CD enthält Stücke für zwei bzw. für sechs Perkussionisten sowie eines für Perkussion und zwei Klaviere, die ja, streng genommen, auch Perkussionsinstrumente, wenngleich mit einer komplizierten Mechanik, sind und somit dem Xylophon, dem Marimbaphon, dem Vibraphon verwandter als, sagen wir, der Violine oder der Klarinette, ja selbst der Harfe.
Der Reiz perkussiver Musik liegt in der Dominanz des Rhythmus und einer großen dynamischen Spannbreite. Melodien lässt sie nur bedingt zu, insofern nämlich Instrumente mit bestimmbaren Tonhöhen verwendet werden. Die Askese perkussiver Musik lenkt die Aufmerksamkeit verstärkt auf Strukturen. Die stehen sozusagen „nackt“ da, entblößt vom Fleisch tonaler Kulinarik. Relationen werden hörbar, Momente der Dauer und ihrer Störung. In perkussiver Musik lässt sich nicht schwelgen. Eher schon rüttelt sie auf – freilich in einem differenzierteren Sinne als dem des „Paukenschlags“. Dennoch: was gerade die Liebhaber von Rockmusik schätzen, die körperliche Komponente von Schlagzeugimpulsen, ihre Spürbarkeit, bleibt auch bei Peter Androsch nicht aus.
Thomas Rothschild
Peter Androsch: Sammlung². Musik für Schlagwerk und Klavier. Extraplatte EX-PA 002