Mally/Wressnig/Mallinger: Triple Trouble
14.10.2004
Schwarze Stimme
Wäre doch alles, was Europa von den USA übernommen hat, so erfreulich wie die Musik der Gruppe um Oliver Mally!
Kein Zweifel: es gibt so etwas wie eine „schwarze Stimme“. Woran es liegen mag – ich weiß es nicht. Jedenfalls singen Schwarze anders als Weiße, man kann die Hautfarbe an der Stimme erkennen, und für den Jazz wurde die „schwarze Stimme“ von Anfang an stilbildend.
Aber auch Weiße können bekanntlich „schwarz“ singen, und es bedarf dafür nicht unbedingt imitatorischer Verrenkungen. So ein Weißer mit einer schwarzen Stimme ist Oliver Mally, und die Grundlage seiner Musik ist der Blues. Auf der CD Triple Trouble singt er vorwiegend eigene Titel, aber die Songs, die er sich von anderen geliehen hat, können als Programm gewertet werden: Silver Train von Mick Jagger und Keith Richards, Perfect Day von Lou Reed, Loretta von Townes van Zandt und, dem Vorbild zumindest ebenbürtig, Get Behind The Mule von Tom Waits.
Oliver Mally spielt auch die Gitarre und das Kazoo. Ihm zur Seite stehen Raphael Wressnig an den Keyboards und Bernie Mallinger an der Fiddle, dazu kommen noch Klaus Kircher am Kontrabass und Klaus Paier am Akkordeon. Sie spielen nicht immer präzise, fast hat man den Eindruck, als wollten sie das Amateurhafte des ursprünglichen Folk Blues in Erinnerung rufen, aber das kommt mit einer Kraft und mit so viel Expressivität daher, dass man die zwölf Stücke hintereinander abhört und zunehmend süchtig wird. Wäre doch alles, was Europa von den USA übernommen hat, so erfreulich wie die Musik der Gruppe um Oliver Mally! Und wäre der doch so bekannt wie mancher über den Atlantik importierte Mist, der die Kanäle verstopft!
Thomas Rothschild
Mally/Wressnig/Mallinger: Triple Trouble. Extraplatte EX 557-2