Klänge aus den Karpaten
04.11.2004
Österreichisch-ukrainische Freundschaft
Die Klänge aus den Karpaten bereichern das Angebot an Volksmusik, das zu hören sich lohnt.
Es gibt so etwas wie Verschleißerscheinungen in der Musik. Klezmer wurde uns in den vergangenen Jahren so häufig angeboten, dass man eigentlich genug davon hat. Das liegt am begrenzten Repertoire. Die Gruppen spielen immer wieder dieselben Stücke, und so toll sind die halt nicht, dass man stets neue Interpretationen davon hören möchte.
Auf der vorliegenden CD aber ist kaum bekanntes Material zu finden, das bei Feldforschungen in der Ukraine und in Moldawien entdeckt wurde. Interpretiert wird es von einer Symbiose des Wiener Ensembles Scholem Alejchem und der ukrainischen Gruppe Galizianer. Nun gibt es eine jüdische Musik ebenso wenig, wie es eine jüdische Literatur gibt. Es gibt jüdische Musiken und jüdische Literaturen, die von den Musiken und Literaturen der Völker, unter denen die Juden leben, beeinflusst und geprägt sind, wie die Werke von Arthur Schnitzler oder Joseph Roth zumindest ebenso österreichisch sind wie jüdisch oder die Werke von Philip Roth oder Saul Bellow so amerikanisch wie eben jüdisch. Die Musik der spanischen Juden hat nichts gemeinsam mit der Musik der jemenitischen Juden oder der Musik der Juden aus den Karpaten, die hier als „jüdische Raritäten“ präsentiert wird.
Die Lerche allerdings ist keineswegs eine „jüdische Rarität“, sondern ein Virtuosenstück, das jeder rumänische Geiger in seinem Repertoire hat. Nehmen wir es also nicht so genau, ziehen wir das angeberische Begleitgemurmel ab und halten wir fest: Die Klänge aus den Karpaten bereichern das Angebot an Volksmusik, das zu hören sich lohnt.
Thomas Rothschild
Klänge aus den Karpaten. Extraplatte EX-518-2