The Big Session. Volume 1
08.12.2004
Betörender mehrstimmiger Gesang
Fast alles kehrt wieder. So auch der Folkrock der siebziger Jahre.
Eigentlich ist das eine gute Nachricht: Nichts geht für immer verloren. Fast alles kehrt wieder. So auch der Folkrock der siebziger Jahre. The Big Session lässt ihn wieder auferstehen. Vierzehn Musiker zeichnen verantwortlich. Den Kern bilden fünf Mitglieder der Oysterband. Was wir da hören, ist betörender mehrstimmiger Gesang, zum Teil a cappella. Die teils fröhlichen, teils melancholischen Instrumentalarrangements sind bestimmt von den Saiteninstrumenten – Gitarre, Mandoline, Banjo, Violine, Viola, Cello, Bassgitarre –, hinzu kommen irische Blasinstrumente, ein Klavier, Schlagzeug.
Das Programm (und der Vermerk Volume 1 verspricht eine Fortsetzung) beginnt mit einem Traditional, mit dem sich die Supergruppe Traffic einst in unsere Herzen sang: John Barleycorn. Zu den weiteren traditionellen Titeln der CD gehören unter anderem Lowlands oder Factory Girl. Gruppen wie Fairport Convention und Steeleye Span rufen sich in Erinnerung. Diese Musik ist freundlich, aggressionsfrei, aber nichts weniger als fad. Mit Tümelei hat derlei nichts zu tun. Und hier repräsentieren englische, schottische und irische Traditionen Facetten einer gemeinsamen Musik- und Poesiekultur, die wenigstens auf der Ebene der Künste die Utopie einer konfliktfreien Welt beschwört.
Thomas Rothschild
The Big Session. Volume 1. Westpark Music 87105