V.A.: A Tribute to Amália Rodrigues
20.01.2005
Rothschilds CD-Tipp:
Suggestive Traurigkeit
Eine Hommage an die ungekrönte Königin des Fado.
Was der Tango für Argentinien, Flamenco oder die Sevillana für Spanien, ist Fado für Portugal. Und die ungekrönte Königin des Fado war Amália Rodrigues. Ihr leisten siebzehn Solisten und Gruppen auf einer CD Tribut. Die Spannbreite ist groß, nicht alle Titel verdienen die Gattungsbezeichnung "Fado", aber hörenswert sind sie allesamt. Freilich: wer die große Amália noch im Ohr hat, merkt beim Vergleich, wie sehr sie fehlt. Zumal auch die wichtigste unter den gegenwärtigen Fado-Sängerinnen, zumal Misia leider nicht dabei ist.
Der Fado betört durch seine suggestive Traurigkeit, durch in Musik umgesetzte Sehnsucht. Er wird auch von Männern interpretiert, aber zu seiner vollen Wirkung gelangt er erst durch Frauenstimmen. Ana Moura, die auf der vorliegenden CD "Filha de Hervas", einen Fado von Amália Rodrigues, singt, kommt dem Ideal sehr nahe. Aber auch Instrumentalpassagen auf der Violine oder der Gitarre profitieren von der Intensität des Fado. Einige Interpreten kamen von auswärts nach Portugal und haben ihre musikalischen Traditionen mitgebracht und mit dem Fado vermählt. Fado, das wird hier deutlich, ist entwicklungsfähig. Noch hat er jenseits der Touristenfallen von Lissabon nicht jene Popularität, die der kubanische Son in den vergangenen Jahren erlangt hat. Aber was nicht ist, kann noch werden.
Thomas Rothschild
V.A.: A Tribute to Amália Rodrigues. World Connection 43046.