Flying Pickets: Everyday
27.01.2005
Rothschilds CD-Tipp
Close Harmony
Sie gehören zu den ersten und besten Ensembles des neueren A-Capella-Popgesangs. Und es gibt sie immer noch.
Kleine Vokalensembles und der Close Harmony-Gesang gehören zum festen Bestand der Swingära. In den fünfziger und sechziger Jahren kamen sie aus der Mode. Dann aber erlebten sie im Popbereich eine Auferstehung, und in der Folge besann man sich in Deutschland auf die Comedian Harmonists, die mittlerweile, ein wenig inflationär, von zahllosen talentierten und weniger talentierten Gruppen imitiert werden.
Zu den ersten und besten Ensembles des neueren A-Capella-Popgesangs gehören die Flying Pickets. Es gibt sie, wenngleich in veränderter Besetzung, immer noch. Wie schon in ihren Anfängen, bedienen sie sich beim erfolgreichen Angebot, und da sind sie durchaus wählerisch. Auf ihrer neuen CD findet man Songs von Sheryl Crow, von Sting, von Peter Gabriel. Was aber sollte den Musikfreund bewegen, diese Songs so begnadeter Sänger in einer Fremdinterpretation hören zu wollen? Was die Qualität des Close Harmony-Gesangs ausmacht, sind die Arrangements. Und die sind bei den Flying Pickets - hier passt einmal das abgenutzte Wort - genial. Zwar nähern sich die Stimmen oft, wie das zum Genre gehört, Instrumenten an, die Bearbeitungen aber gehen weit über pure Nachahmung hinaus. Meist sind die Originale kaum noch wiederzuerkennen. Die Flying Pickets machen aus ihnen ganz eigene Kunstwerke im Bereich zwischen Pop und Jazz. Das ist Musik, nicht bloße Stimmbandartistik. Man kann die einzelnen Stimmen des Quintetts durchaus identifizieren, sie haben ihre je eigene Färbung, ergeben aber zusammen einen eigenen, kompakten Klang. Und auch der Rhythmus kommt nicht zu kurz. Das geht in die Beine, und man bedauert, dass die CD nur knapp 45 Minuten dauert.
Thomas Rothschild
Flying Pickets: everyday. FP002 (Vertrieb: in-akustik)