Berlioz: Requiem
10.02.2005
Rothschilds CD-Tipp:
Blech für die Toten
Berlioz arbeitet mit extremen Kontrasten, vor allem in der Dynamik. Eine ungeheure Faszination übt sein Einsatz des Blechs aus...
Mozart, Verdi, Brahms, Dvořák, Benjamin Britten haben Totenmessen geschrieben, die zum Aufregendsten gehören, was die Musikgeschichte zu bieten hat. Das dramatischste Requiem aber stammt von Hector Berlioz und wurde 1837 zum ersten Mal aufgeführt. Berlioz arbeitet mit extremen Kontrasten, vor allem in der Dynamik. Eine ungeheure Faszination übt sein Einsatz des Blechs aus, der freilich erst im Raum voll zur Geltung kommt, über CD nur bedingt vermittelbar ist, denn Berlioz hat seinem Orchester und seinem Chor vier Bläserensembles beigesellt. Das erzielt eine majestätische Wirkung, eine Grandiosität, wie sie keine andere Kunst so unmittelbar erfahrbar machen kann.
Dann wiederum erzeugt Berlioz eine fast intime Dichte, etwa im Zusammenspiel von Pauken, Streichern und Chor bei der abschließenden Amen-Folge im Agnus Dei. Überhaupt das Zusammenspiel von Instrumentalsatz und Vokalstimmen: unübertrefflich das Fugato des Orchesters über der fast monoton wiederholten Phrase des Chors im Lacrymosa, und dann der lyrische - einzige - Solopart des Tenors (in dieser Aufnahme: Frank Lopardo) im Sanctus, Engelsgesang von weit her. Lediglich die technische Qualität der vorliegenden CD enttäuscht. Es mangelt der Aufnahme an Transparenz und Brillanz, vor allem in den Höhen.
Thomas Rothschild
Berlioz: Requiem. Atlanta Symphony Orchestra & Chorus/Roberto Spano. Telarc CD-80627 (Vertrieb: in-akustik)