Triology: Around the World in 77 Minutes
24.03.2005
Rothschild's CD-Tipp:
Weltreise
Im Zentrum stehen Variationen über ein "Thema, das aus Kärnten sein könnte", in sich eine nicht unwitzige musikalische Travestie.
Zwei Violinen und ein Cello gehen auf Weltreise. Die Violinen spielen Aleksey Igudesman und Daisy Jopling, das Cello streicht und zupft Tristan Schulze, zusammen nennen sie sich Triology. Sie interpretieren keine authentische Folklore, sondern eigene Kompositionen, die den Folkloren der Länder zwischen Südafrika und Russland, zwischen Mexiko und Indien nachempfunden sind, mit einer Ausnahme: der Radetzkymarsch ist echt, aber auch der wird zu einer Art österreichisch-ungarischer Nationalhymne umrhythmisiert. Im Zentrum stehen Variationen über ein "Thema, das aus Kärnten sein könnte", in sich eine nicht unwitzige musikalische Travestie.
Diese Reise um die Welt in 77 Minuten darf das Attribut "originell" mit Fug und Recht für sich beanspruchen. Der Klang ist naturgemäß kammermusikalisch und verweist eher in den E- als in den U-Bereich. Das Material nimmt den Begriff "Weltmusik" beim Wort. Und die Durchführung ist ganz gewiss unterhaltend, also U. Dass die drei Musiker ihre Hausaufgaben gemacht haben, dass sie die "klassische" Literatur für Streicher kennen, ist dabei offenbar und keineswegs störend. Nur solche Typen können Johann Sebastian Bach, Olivier Messiaen, Astor Piazzolla und Thelonious Monk in einer Tripelfuge zusammenbringen.
Thomas Rothschild
Triology: Around the World in 77 Minutes. Extraplatte, EX 550-2.