Zulya and the Children of the Underground
07.04.2005
Eine Russin in Australien
Russland ist auf der Karte der Unterhaltung bei uns ein Weißer Fleck. Warum bloß?
Zulya heißt mit Familiennamen Kamalova und ist Russin. Die Children of the Underground sind Andrew Tanner an diversen Saiteninstrumenten, Anthony Schulz an Tasteninstrumenten, Lucas Michailidis an der E-Gitarre und Justin Marshall an Perkussionsinstrumenten. Mit ihnen und mehreren Gastmusikern, die in den Bläsersätzen ein wenig an Goran Bregović erinnern, hat Zulya in Melbourne eine CD aufgenommen, die sich einer eindeutigen Einordnung entzieht. Auf die Heimat Zulyas verweisen O-Töne aus der Moskauer Metro zwischen den einzelnen Songs. Die Lieder selbst enthalten Elemente des Chansons, der russischen "Estradenkunst", der Zigeunerfolklore und der experimentellen Musik. Sie bestechen durch den Zusammenklang der hohen Stimme mit den einfallsreich arrangierten Instrumentalparts.
Die von Zulya geschriebenen und russisch gesungenen Texte knüpfen an die Traditionen der russischen Folklore an und sind teils scherzhaft, teils sentimental. Ein Lied heißt wie die Band "Kinder aus dem Untergrund" und spielt mit der Doppelbedeutung des Wortes, das ein geheimes Milieu, aber auch die Metro bezeichnet.
Russland ist auf der Karte der Unterhaltung bei uns ein Weißer Fleck. Warum bloß? Zulya jedenfalls macht deutlich, dass sich in russischer Sprache nicht schlechter singen lässt als auf Englisch.
Thomas Rothschild
Zulya and the Children of the Underground: The Waltz of Emptiness (and Other Songs on Russian Themes).
Westpark 87114.